»Der was that?« rief der Apotheker, die Augen zusammenkneifend und das linke Ohr zu ihm hindrehend — »nuschelt nicht so in den Bart, daß Euch ein Christenmensch noch verstehen kann ehe Ihr unter die Heiden geht.«
»Der nach Wisconsin auswanderte,« sagte der junge Bauer lächelnd — »er hatte mir damals versprochen zu schrei[pg 040]ben wie es ihm ginge, schlecht oder gut; — wenn schlecht, wollte ich ihm helfen, wenn gut, vielleicht nachkommen. Aber er schrieb nicht Jahr nach Jahr, und da er überhaupt Nichts von sich hören ließ, glaubte ich schon er sei da drüben gestorben oder untergegangen in dem weiten Reich, bis ich vor vier Wochen etwa einen Brief von ihm erhielt und seit der Zeit habe ich keine Ruhe gehabt bis zu dem heutigen Tag.«
»Nun ja natürlich,« brummte der Apotheker.
»Aber so laßt ihn doch nur reden,« rief jetzt auch ärgerlich der Actuar dazwischen, »Ihr raisonnirt nur in einem fort und glaubt nachher, wenn Ihr recht geschrieen habt, Ihr hättet recht.«
»So lest den Brief einmal!« sagte Kellmann, die Arme auf den Tisch stützend, »nachher wissen wir ja gleich woran wir sind.«
»Aber erst muß ich noch Bier haben,« rief Schollfeld dazwischen, »ich mag die Lügen wenigstens nicht trocken mit anhören.«
Lobsich winkte einem der nächsten Kellner, die indeß leer gewordenen Gläser wieder zu füllen, denn der Brief interessirte ihn selber zu sehr, den Tisch jetzt zu verlassen, und Mathes sagte wie entschuldigend:
»Der Brief ist sehr kurz, aber es steht Alles darin was ich zu wissen verlangte, und er lautet:
»Lieber Mathes — ich habe bis jetzt mein Versprechen nicht gehalten, Dir zu schreiben, weil es mir sehr schlecht gegangen ist.«
[pg 041]»Na ja,« fiel ihm hier der Apotheker in das Wort — »und nun müßt Ihr Hals über Kopf machen daß Ihr auch hinüber kommt.«