»Wenn sich andere vernünftige Leute solche Ideeen einpflanzen lassen, geschieht's ihnen ganz recht,« sagte der Apotheker — »man braucht nicht zu glauben was jeder dahergelaufene Lump eben sagt.«

»Nun ganz ohne kann's aber auch nicht sein,« meinte Kellmann kopfschüttelnd, »und ich — ich halt' es immer für gefährlich. S'ist merkwürdig, wie rasch sich das mit der Hochzeit gemacht hat.«

»Nun, wer sich die Braut gleich fix und fertig aus dem Wasser zieht hat leicht freien,« sagte der Actuar — »Glück muß der Mensch haben, dann geht Alles wie am Schnürchen; wer aber das nicht hat, der mag sein Lebtag fischen und fängt doch Nichts — am wenigsten aber solch einen Goldfisch.

»Wo stammt er denn eigentlich her?« frug der Apotheker jetzt, wie sie wieder eine Weile schweigend neben einander hingegangen waren, »man hört doch sonst eigentlich gar Nichts [pg 049]von ihm, und er kommt auch mit keinem Menschen weiter zusammen — stolzer aufgeblasener Bursche der.«

»Gott weiß es,« sagte der Actuar; »er ist, glaub' ich, mit einem holländischen Schiff herübergekommen, und hatte einen Paß von Amsterdam.«

»Und der Paß lautete nach Heilingen?«

»Nun nicht gerade nach Heilingen, aber doch nach der Residenz, und wie sich die Sache dann hier mit der Dollingerschen Familie gestaltete, nun lieber Gott, da drückte der Stadtrath das eine, und die Stadtverordneten drückten das andere Auge zu, und man sah nicht so genau nach den Papieren. Ueberdieß verzehrte er ja hier viel Geld; wär' es ein armer Teufel gewesen, hätten wir ihn wahrscheinlich schon bald wieder über die Grenze gehabt.

»Hm, ja, glaub's,« sagte Kellmann mit dem Kopfe nickend, »s'ist in Heilingen eben nicht anders wie — wie anderswo — warum auch?«

Das Gespräch drehte sich von da ab, auf die städtischen Einrichtungen, deren wärmster Vertheidiger der Apotheker war, und über die sich der Actuar natürlich nur sehr vorsichtig ausließ, während sie Kellmann um so unnachsichtiger angriff; kam dann auf die Saat und die Preise, und wieder mit einem Seitensprung auf die jetzige Politik unseres lieben deutschen Reiches, bis sie das Thor und zwar gerade mit Sonnenuntergang erreichten, wo Jeder seinen Weg ging, die eigene Heimath aufzusuchen.

Der Actuar Ledermann besonders, der an dem entgegen[pg 050]gesetzten Ende der Stadt wohnte, beeilte seine Schritte, noch vor einbrechender Dunkelheit seine Wohnung zu erreichen; das Gerücht ging nämlich in der Stadt, daß ihn seine Ehehälfte bei solchen Gelegenheiten oft allerdings sehr unfreundlich empfange, und ihm einmal sogar schon einige sonst sehr nützliche, bei der Gelegenheit aber nichts weniger als passende häusliche Geräthe entgegen und vor die Füße geworfen habe. Thatsache war, daß »Madame« oder Frau Actuar Ledermann, was auch ihres Gemahls Thätigkeit und Ansehn außerhalb seiner eigenen vier Pfählen sein mochte, innerhalb derselben jedenfalls das Commando, und nicht immer mit Mäßigung führte, und der Actuar suchte den Hausfrieden wenigstens soviel als möglich zu erhalten und jeden Anlaß, zu irgend einer Störung desselben, zu vermeiden.