Mit solchen Gedanken vielleicht im Kopf, wollte Ledermann eben vom Marktplatz aus in die Straße einbiegen, an deren äußersten Ende seine eigene, sehr bescheidene Wohnung stand, als er seinen Titel genannt und sich selber gerufen hörte.

»Herr Actuar — Herr Actuar Ledermann.«

Er drehte sich rasch um und sah einen Gerichtsdiener eilig auf sich zukommen, der, die Mütze abnehmend, vor ihm stehen blieb und ihm meldete, daß er eben abgeschickt worden ihn zu holen oder aufzusuchen, da ein Einbruch geschehen sei, über den an Ort und Stelle Protokoll aufgenommen werden solle.

»Protokoll aufnehmen?« sagte Actuar Ledermann, keines[pg 051]wegs angenehm überrascht; »ja was hab ich denn heute damit zu thun, wo ist mein College

»Herr Actuar Beller sind unwohl geworden, heute Nachmittag,« berichtete der Polizeidiener, »und mußten zu Hause gehn; ich bin eben abgeschickt zu sehn, welchen von den andern Herren ich zuerst treffen könnte.«

»Hm — ist sehr amüsant,« brummte Ledermann vor sich hin — »kommt mir gerade apropos. Bei wem ist es denn?«

»Bei Herrn Dollinger.«

»Was? — bei Kaufmann Dollinger?« rief der Actuar rasch und erstaunt — »am hellen Tag, während er ausgefahren war?«

»Er ist, wenn ich nicht irre, eben zu Hause gekommen,« berichtete der Mann, und hat glaub' ich sein Pult geöffnet, und eine bedeutende Summe Geldes entwendet gefunden.«

»Hm, hm, hm,« sagte der Actuar kopfschüttelnd und seinen Rock dabei, den er der Bequemlichkeit wegen aufgelassen hatte, zuknöpfend, »es wird immer besser hier bei uns. Am hellen lichten Tage. Aber die ganze Stadt steckt auch voll fremden Volkes, das sich natürlich keine Gelegenheit entschlüpfen läßt Reisegeld zu bekommen.«