Es war eine rauhe, kräftige Gestalt, der Mann, mit krausem dicken schwarzen Bart und ein paar tiefliegenden unstäten Augen, in einen groben braunen Tuchrock gekleidet, wie ihn die Fleischer nicht selten auf dem Lande tragen. Die ebenfalls braunen Hosen hatte er dabei heraufgekrempelt, bis fast unter das Knie, mit seinen derben Wasserstiefeln besser durch alle Pfützen und Schlammwege hindurch zu können; die aus ungeborenem Kalbfell gemachte Weste war ihm bis an den[pg 156] Hals hinauf zugeknöpft, und eine lange silberne Kette, an der die in der Westentasche steckende Uhr befindlich war, hing ihm darüber hin.
»Ihr seid wohl weit von hier zu Haus?« frug Gottlieb nach einer längeren Pause, in der er den Mann und dessen Aeußeres flüchtig nur betrachtet hatte — »hab' Euch wenigstens noch nicht hier bei uns gesehen.«
»Zehn Stunden etwa,« sagte der Fremde, seine Pfeife jetzt aus der Brusttasche seines Rockes nehmend und mit Stahl und Schwamm, den er bei sich führte, entzündend — »wie weit ist's noch bis Heilingen.«
»Eine tüchtige Stunde — wenn der Weg jetzt nicht so schrecklich wäre, könnte man's recht bequem in kürzerer Zeit gehn.«
»Hm — ist noch verdammt weit, puh wie das draußen stürmt; und die Pflaumenblüthen pflückt's beim Armvoll herunter — Pflaumenmuß wird theuer werden nächsten Herbst.«
»Das weiß Gott,« sagte Gottlieb — »es wird Alles theuer, immer mehr jedes Jahr, langsam aber Sicher.«
»Bah, es geschieht denen recht die hier bleiben, wenn sie nicht hier bleiben müssen; 's giebt Plätze die besser sind.«
»Wollt Ihr auch auswandern?« sagte Gottlieb rasch.
»Auswandern? — nach Amerika? — hm — ich weiß noch nicht,« brummte der Fremde, sich den Bart streichend — »es wäre aber möglich daß sie Einen noch dazu trieben. Sind das Euere Kinder?«
»Ja. — «