»Habt Ihr noch mehr?«
[pg 157]»Noch einen Jungen von elf und ein halb Jahr.«
»Und Ihr seid ein Weber?« sagte der Fremde mit einem Blick auf den Webstuhl — »auch schwere Zeiten für derlei Arbeit, mit einer Familie durchzukommen.«
»Ja wohl, schwere Zeiten,« seufzte Gottlieb, als in diesem Augenblick die Thür draußen wieder aufging und die Mutter laut ausrief: —
»Der Hans, lieber Himmel kommt der in dem Wetter.«
Es war Hans, der älteste Sohn des Webers, durch und durch naß, aber mit frischem gesunden Gesicht und rothen Backen, auf denen das Regenwasser in großen Perlen stand.
»Guten Tag mit einander,« sagte er, als er in's Zimmer trat und die triefende Mütze vom Kopf riß — »guten Tag Mutter.«
»Guten Tag Hans, aber wo um Gottes Willen kommst Du in dem Regen her; warum hast Du das Wetter nicht bei Lehmann's abgewartet?«
»Es wurde mir zu spät Mutter und ich war hungrig geworden; habe auch noch heute Abend dem Vater etwas zu helfen.«
»Ein derber Junge,« sagte der Fremde, der sich den Knaben indeß mit finsterem Blick betrachtet hatte — »kann wohl schon ordentlich mit arbeiten.«