»Ih nun, wenn es da sicher angelegt ist — fünf Procent wäre aller Ehren werth.«

»Aber es ist nicht sicher angelegt; der Bursche ist ein liederlicher leichtsinniger Mensch, der schon einmal Bankerott gemacht hat und — wie ich ziemlich guten Grund habe zu vermuthen — an der Grenze eines zweiten steht.«

»Ahem,« sagte Kellmann nachdenkend.

»Geb ich ihm das Geld,« fuhr der Actuar fort, »so ist [pg 193]es über Jahr und Tag, so sicher wie dort drüben der Mond aufgeht, verloren, und geb' ich es ihm nicht, so weiß ich daß mir die Frau zu Hause den eignen Heerd zur Hölle macht.«

»Aber Donnerwetter, Ledermann, nehmen Sie mir das nicht übel,« sagte Kellmann stehen bleibend, »da würde ich denn doch einmal einen Trumpf darauf setzen und mein Recht als Mann und Herr im Hause wahren; nur durch Ihr ewiges Nachgeben haben Sie die Geschichte schon so, in Grund hinein verdorben.«

»Aber was soll ich thun?« rief der Actuar verzweifelnd — »mit Worten kann ich nicht gegen sie anstreiten, nicht sechs Männer könnten das; in Ruhe und Güte ist Nichts anzufangen mit ihr, und schlagen darf und will ich sie ebenfalls nicht.«

»So lassen Sie sich scheiden, zum Wetter noch einmal;« rief Kellmann, »lieber doch eine trockne Brodrinde kauen, als mit solchem Drachen das ganze Leben, eine ganze Existenz, mühselig und qualvoll hinzuschleppen.«

»Heute Abend zum ersten Mal,« sagte der Actuar seufzend, »habe ich ihr selber damit gedroht; ich habe ihr vorgehalten, daß sie sich mit mir nicht glücklich fühlen könne, weil sie fortwährend, und ohne auch nur einen einzigen Tag Frieden zu gestatten, zanke, und das Beste sein würde, wir ließen uns, einem Leben zu entgehen das auf die Länge der Zeit doch nicht durchgeführt werden könne, gerichtlich scheiden.«

»Nun? — und was hat sie darauf erwiedert?«

»Ich bin fortgelaufen,« sagte der Actuar, seufzend den[pg 194] Kopf von dem Freund abwendend, »denn sie wurde — sie wurde so heftig, und betrug sich — betrug sich so unvernünftig, daß ich mich vor den Nachbarn schämte, und lieber Hut und Stock nahm, den Frieden wieder, wie schon so oft, auswärts zu suchen.«