»Nichts — nichts mein Fräulein,« sagte Georg ausweichend und fast unbewußt denselben Weg langsam einschlagend, auf dem ihnen Hopfgarten vorangegangen war, während Marie in der noch unbestimmten Angst um etwas, das man ihr verheimliche, an seiner Seite blieb — »Sie sollten mir etwas sagen.«
»Herr Donner, beruhigen Sie mich erst über meine Frage,« bat aber Marie — »Sie haben etwas — etwas sehr Ernstes gehabt — So roth und erhitzt Sie vorhin schienen, so bleich sind Sie jetzt; das ist nicht von Anstrengung — es ist sicher etwas, was ich schon lange gefürchtet, vorgefallen. Gestehen Sie, Sie haben sich mit meinem Vater — sagen Sie mir Nichts,« — unterbrach sie ihn aber rasch, als er sich gegen sie wandte und reden wollte, und sein ganzes Äußere dabei verrieth, wie recht sie in ihrem Verdacht gehabt — »guter Gott ich — wir Alle wissen zu gut, wie ungerecht mein Vater schon mehre Mal gegen Sie gewesen, wie er treuen Freundesrath hartnäckig und barsch von sich gewiesen hat; Sie kennen ihn ja aber auch, wie seelensgut er sonst ist, und wie ihn das hartgesprochene Wort gleich hinterher gereut.«
»Dann wissen Sie ja auch,« setzte sie wieder zögernd und schüchtern hinzu, »wie er einmal gefaßten Plänen, selbst wenn es sein eigener Schade ist, hartnäckig folgt, und Schilderungen fremder Leute oft nur zu viel, zu ungerecht vertraut. Sehen Sie ihm das nach — lassen Sie sich nicht zurückschrecken und seien Sie besonders jetzt, wo er gerade wieder so vielen romantischen Plänen sein Ohr leiht, und Sachen thut, die ein praktischer erfahrener Landwirth vielleicht nicht thun würde, selbst gegen seinen Willen, sein — und warum soll ichs nicht sagen,« setzte sie in all ihrer Verlegenheit gar so lieb und vertrauensvoll lächelnd hinzu, »sein guter Engel, der, wenn auch wieder und wieder zurückgewiesen, doch nicht ungeduldig werden darf, um — unseretwillen.«
»Fräulein Marie,« sagte Georg, und die Worte rangen sich ihm nur schwer und mühsam aus der Brust — »Sie haben mir da ein Ziel vorgezeichnet, das zu dem höchsten Streben meines Lebens gehört; vorgezeichnet in dem Augenblick, wo es — rettungslos für mich verloren ist.«
»Was meinen Sie damit?« rief Marie, rasch stehen bleibend und seinen Arm ergreifend.
»Ich wollte den heutigen Tag nicht stören, keine andere, als freudige Worte sollten zu Ihren Ohren dringen, daß sie eine liebe Erinnerung daran in Ihrem Herzen wahrten. Das Leben bietet Ihnen ja hier überdieß so wenig andres, als Müh und Arbeit; Sie zwingen mich selbst dazu, und ich kann nicht länger schweigen — ich verlasse noch heute diese Farm, und mit ihr den Staat.«
»Herr Donner — « stammelte Marie, kaum im Stande, ihre Bewegung zu verbergen — »gehn Sie — gehn Sie nicht fort!«
»Ich kann nicht anders Fräulein Marie — Gott da oben ist mein Zeuge, die harten Worte, die Ihr Vater heute zu mir gesprochen — ich wollte sie gern vergessen, gern dem Mann, den ich liebe und achte wie einen Vater, mehr Rechte einräumen, als ich einem anderen Mann zugestehen würde, aber — er hat mir selber befohlen, daß ich gehen soll — kann ich da bleiben?«
Marie wandte den Kopf von ihm ab und schwieg, und auch Georg fand nicht gleich Worte wieder; endlich sagte er mit weicher, nur gewaltsam gesammelter Stimme:
»Ich habe noch eine Bitte an Sie Fräulein Marie — eine recht große Bitte, deren Erfüllung mich recht glücklich machen würde.«