»Die Cuba? — um elf Uhr,« sagte dieser erstaunt.

»Großer Gott — es muß gleich schlagen — so ist er noch nicht fort?«

»Dort drüben können Sie ihn sehn,« sagte Ledermann, der von der hohen Levée aus ein paar Momente mit den Augen in den Fluß hinein gesucht hatte — gerade zwischen den beiden ausgezackten Schornsteinen jenes Bootes dort — das große Dampfschiff, aus dem der Rauch so dick aufsteigt.«

»Henkel ist an Bord!« war Alles was Hopfgarten herausbringen konnte, »großer Gott, daß wir nicht an das Havanna-Schiff gedacht.«

»Gott der Gerechte!« rief Veitel, seine Steine einsteckend und in Verwunderung die Hände zusammenschlagend, »was han Se uf amol vor a Eil; wird der Herr Henkel doch wiederkommen in vier oder fünf Woche, wie er mer hot gesagt.«

»Noch ist es vielleicht Zeit,« rief aber Ledermann, der indeß rasch das Terrain überschaut hatte; »so pünktlich gehen die Dampfer nicht ab; einzelne Passagiere zögern immer etwas länger am Ufer, oder der Capitain kann auch seine Geschäfte nicht so rasch besorgen. Dort fährt ein Cab — gegenüber dem Dampfer nehmen wir ein Boot, und einmal von den Schiffen frei, daß sie an Bord unser Tücherschwenken sehen können, und wir kommen noch zur rechten Zeit.«

»Veitel!« rief Hopfgarten, sich rasch nach diesem umdrehend, »kommt morgen früh zu mir in das St. Charles Hotel — verstanden? — bringt Euere Steine mit — und nun fort Ledermann, fort!« und diesem voran laufend winkte er schon von weitem dem kleinen einspannigen Cabriolet zu, dessen Kutscher, Passagiere suchend, langsam die Levée an der Dampfbootlandung hinabfuhr. Der Mann zügelte sein Pferd ein und Hopfgarten bot ihm einen Dollar, wenn er sie so rasch das Pferd laufen könne dem Havanna Steamer gegenüber die Straße niederführe.

»Halt, dort geht ein Constable!« rief ihm aber Ledermann zu, »den nehmen wir mit.«

»Kann nicht drei Passagiere fahren, Sir,« sagte der Kutscher.

»Du bekommst einen Dollar für jeden, wenn Du uns rasch an Ort und Stelle bringst!« rief der Deutsche, dem Angst und Aufregung fast die Sprache zu nehmen drohte. Ledermann lief indessen, so rasch ihn seine langen Füße trugen, und sehr zum Ergötzen der ihm Begegnenden, der nächsten Straßenecke zu, an der er einen ihm bekannten Constable erspäht hatte. Wenige Worte genügten, diesen mit Allem bekannt zu machen was Noth that, und zwei Minuten später galopirte das eben nicht sehr kräftige Pferd, von der wacker geführten Peitsche seines Herrn getrieben, in flüchtigen Sätzen die Straße nieder. Unterwegs unterrichtete der Constable diesen dabei, dem großen Dampfschiff gegenüber, das sie jetzt deutlich erkennen konnten, anzuhalten, wo er Miethboote wüßte.