»Lieber, guter Gott,« sagte der Mann, »da der Herr, der da am Fenster steht, kann Ihnen darauf die beste Antwort geben; hat er uns nicht von Woche zu Woche hingehalten und immer und immer versprochen, und immer Nichts gebracht?«
»Na ja, nun macht mir auch noch Vorwürfe, daß ich mir Euretwegen die Schuhsohlen abgelaufen, ohne einen rothen Dreier dafür zu haben,« rief Herr Messerschmidt, sich rasch und ärgerlich nach dem Manne umdrehend, »kann ich die Leute zwingen, Euch Arbeit zu geben, oder habe ich mich überhaupt dazu verpflichtet?«
»Nichts für ungut,« bat der arme Teufel kleinlaut, »es war ja gar nicht so bös gemeint, und ich habe es nur erwähnt, um dem Herrn da zu beweisen, daß wir ja Alles thun wollten, was eben nur in unseren Kräften stand.«
»Gut, ich will Euch was sagen,« rief Herr Hamann nach einer kleinen Pause, in der er wie überlegend vor sich niedergesehen, »da es Euch doch zu viel Schererei machen würde die Frauen mitzunehmen, wenn Ihr Arbeit suchen geht, so mögen die beiden Frauen mit den beiden Kindern hier bei mir im Hause bleiben, und für ihre Kost die Wäsche besorgen, bis Ihr wieder kommt. Seid Ihr das zufrieden?«
»Aber würden Sie ihnen denn da nicht wenigstens einen kleinen, nur ganz geringen Lohn aussetzen?« bat der Mann, »damit wir — «
»Nun ja, reicht dem Volk einen Finger und sie greifen nach der ganzen Hand,« rief Herr Hamann sich entrüstet gegen den Agenten wendend — »geht zum Teufel mit Eurer ganzen Sippschaft, ich will meinem Gott danken, wenn ich Euch Alle los bin.«
»Aber, so war es ja gar nicht gemeint,« sagte der Mann schüchtern, »wir sehen ja ein daß sie Noth und Mühe genug mit uns gehabt haben, und die Frauen nur aus Gefälligkeit hier so lange im Hause lassen wollen — nichts für ungut, und wir Anderen wollen dann unser Mögliches thun, und finden wir nur Arbeit, gewiß unsere Schuld bald abtragen. Etwas Wäsche dürfen wir uns doch aus unseren Koffern nehmen, nicht wahr Herr Hamann.«
»Ja, meinetwegen, der Barkeeper soll Euch das nachher herausgeben; jetzt macht aber, daß Ihr fortkommt, ich habe mehr zu thun, und wenn der Barkeeper Zeit hat, soll er einmal einen Augenblick heraufkommen.«
Der arme Teufel von Bauer dankte dem Mann auf das Herzlichste, und würde ihm gern die Hand zum Abschied in aller Freundschaft gereicht haben, wenn er sich's eben getraut hätte. So verbeugte er sich nur gegen die beiden Männer, die seiner gar nicht achteten, und zog die Thür hinter sich in's Schloß, die aber gleich darauf wieder, und zwar rascher als vorher, aufflog.
Unwillig sah Herr Hamann dorthin, eine nochmalige Störung des Bauern mit Entrüstung zurückzuweisen, als er in das rothe, halb spöttische, halb kecke Gesicht Eines seiner Irischen Boarders schaute, der ihm ganz respektswidrig vertraulich zunickte, die Thür hinter sich zumachte und dann auf Herrn Hamann zuging.