»Allerdings — Sie doch auch.«
»Ich? — doch nicht so ganz« bemerkte der Redakteur, wieder mit einem Seitenblick auf die im Nebenzimmer befindliche Druckerei »ich habe auch durch jene meine Beschäftigung und — meinen Verdienst — mit Schreiben allein wird sich wohl kaum Jemand hier in Amerika ernähren und über Wasser halten können.«
»Aber es giebt doch eine Menge Amerikanischer Schriftsteller und Dichter. — «
»Ja Amerikaner, die haben auch ein großes Publicum, aber wir Deutschen, mein guter Herr Theobald, sind wiederan gerade nur auf die Deutschen angewiesen, und wenn Sie die erst einmal hier in Amerika näher kennen, werden Sie mir vollkommen recht geben wenn ich Ihnen sage, daß man die eigentlich gar nicht für deutsche Literatur in Anschlag bringen kann. Die Englisch verstehn, oder sich wenigstens den Anschein geben wollen als ob sie es verstünden, lesen kein Deutsch mehr, und buchstabiren sich lieber ihre Englische Nachrichten sylbenweis zusammen, und die, die eben erst angekommen sind und von Englisch noch gar keine Idee haben, lesen auch gewöhnlich gar Nichts, oder kaufen sich noch weniger ein Buch oder eine Zeitung.«
»Wer aber, um Gotteswillen hält da die deutschen Blätter?« frug Theobald erstaunt.
»Ja lieber Herr Theobald« versicherte Herr Rosengarten »ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß mir das manchmal selber ein Räthsel ist. Kaffeehäuser, selbst Amerikanische, halten allerdings dann und wann deutsche Zeitungen, und die deutschen Kosthäuser müssen sie haben; einzelne gehen auch in das innere Land und nach den kleinen Städtchen am Mississippi hinauf, die mit New-Orleans in lebhafter Verbindung stehn und in denen Deutsche wohnen, wie Natchez, Vicksburg, Bayou-Sarah, St. Franzisville, Baton-Rouge etc., der Hauptabsatz geschieht aber auf oft räthselhafte, jedenfalls sehr geschickte Weise durch die Colporteurs oder Zeitungsjungen, Individuen von zehn bis dreißig Jahren, die bei unseren Blättern interessirt sind, d.h. gewisse Procente für jedes Exemplar bekommen, das sie absetzen. Jemehr die also unterbringen, desto größer ist ihr eigener Nutzen, und es ist mir gesagt — selber darum bekümmern thun wir uns natürlich nicht — daß sie manchmal zu den wunderlichsten Listen ihre Zuflucht nähmen, und sei es auch nur halbjährige Abonnenten zu bekommen; das nächste Semester muß ihnen dann, wenn ein Theil von diesen abfällt, andere bringen.«
»Nun ich will glauben« sagte Theobald, der auf Kohlen stand, »daß Sie bei so unsicheren Einkünften nicht gerade im Stande sind ein, wenigstens nach hiesigen Begriffen, sehr bedeutendes Honorar zu zahlen; wie viel könnten Sie mir also versprechen, wenn ich mich zugleich dabei verpflichtete, regelmäßiger Mitarbeiter der Biene zu werden. Meinen Namen werden Sie sicher schon von Deutschland aus gelesen haben; ich kann mit aller Bescheidenheit sagen, daß er dort einen guten Klang hat.«
»O gewiß Herr Theobald, gewiß« versicherte Herr Rosengarten, und fuhr dann, in's Blaue hinein rathend, rasch fort: »Sie haben glaub' ich vor ganz kurzer Zeit wieder ein paar Bände Novellen herausgegeben.«
»Allerdings.«
»Ich habe sie gesehn — vortrefflich — ganz vortrefflich — doch — so leid es mir thut, aber — ich bin in der That nicht im Stande Ihnen irgend welches Honorar für Ihre literarischen Beiträge zuzusagen. Ja wenn wir jetzt nur etwas bessere Zeiten hätten, aber die ältesten Leute in New-Orleans erinnern sich wirklich nicht eine so gedrückte, schwierige Stimmung in New-Orleans je erlebt zu haben. — Wenn Sie übrigens noch ein oder selbst zwei Exemplare der Biene wünschten — ich möchte gern Alles thun was in meinen Kräften steht Sie zufrieden zu stellen. — «