»Carl Berger? — hm« murmelte der Untersteuermann vor sich hin, ein Papier das er in der Hand hielt, mit den Augen dabei mehrmals durchlaufend — »Carl Berger — Du stehst ja aber gar nicht mit in der Passagierliste — woher kommt das?«
»Ich hatte das Passagegeld noch nicht bei der Abfahrt« stammelte der junge Bursch — »gute Leute an Bord schossen es für mich zusammen, und als ich zum Rheder zurückkam und es bezahlte, hatte er die Liste nicht mehr und gab mir nur einen Zettel mit für den Capitain, daß ich hier an Bord nachgetragen würde.«
»Hm, so?« sagte der Untersteuermann, und sah über Bord — das Boot mit den Soldaten, das jetzt gerade auf das vor Anker liegende Schiff zuhielt, war noch kaum zweihundert Schritt von diesem entfernt, und es ließen sich schon die einzelnen Gesichter der im Boot stehenden Bewaffneten unterscheiden. Von dem was an Deck vorging, konnten diese aber nicht das Mindeste erkennen, da die über fünf Fuß hohe Schanzkleidung, die das Deck als Schutz umgab, alle darauf Befindlichen den Blicken der unten Heranfahrenden vollständig entzog. Der Untersteuermann wußte das auch, und wieder zu dem Deserteur hinantretend frug er, seinen Kautaback aus einem Mundwinkel in den anderen schiebend, die Umstehenden [pg 097]so phlegmatisch, als ob er eben nach der Zeit oder etwas anderem höchst Gleichgültigen früge.
»Könnt Ihr die Mäuler halten?«
Berger, der mit todtbleichen Wangen und ängstlich klopfendem Herzen den näher, immer näher kommenden Ruderschlägen gelauscht, ohne daß er gewagt hätte einen Blick hinauszuwerfen auf den Feind, sah rasch und kaum seinen Ohren trauend zu dem Manne auf. Lag in der Frage Hoffnung, Trost für ihn?
»Ach Herr Steuermann schaffen Sie ihn fort — schaffen Sie ihn fort« flüsterten aber die ihm Nächststehenden rasch und ängstlich — so nahe war das Boot schon daß sie fürchteten die Soldaten könnten unten verstehen, was hier oben gesprochen und verhandelt würde — »wir bissen uns eher die Zunge ab, ehe wir den Geyern da unten ein Wort verriethen.«
»Hm« sagte der Untersteuermann und sah sich etwas mißtrauisch im Kreise um; viel Zeit war aber auch nicht mehr zu verlieren, denn von unten herauf tönte schon die Stimme des Unteroffiziers oder Polizeibeamten, was er gerade war, der das Schiff anrief, und der Capitain selber erschien gleich darauf auf dem Quarterdeck und sah über Bord.
Carl Berger faltete in Todesangst die Hände, der Untersteuermann aber, zu dem er jetzt noch, wie in letzter Verzweiflung Hülfe suchend aufsah, blinzte ihm zu und winkte ihm, fast nur mit den Augen und einer kaum bemerkbaren[pg 098] Bewegung des Kopfes, ihm zu folgen. Ohne sich dann weiter nach ihm umzusehn schritt er rasch das Deck entlang, vorn der Logiskappe[3], zu, in die er gleich darauf verschwand, und wohin ihm der junge Bursche mit zitternden Gliedern folgte.
»Hallo das Schiff!« rief die Stimme indeß aus dem Boot, die, wie sich später ergab, einem der Polizeisergeanten gehörte.
»Hallo das Boot!« lautete die seemännische Gegenantwort des Capitains, als er das Deck erreicht hatte.