Es läßt sich denken, daß auf See nicht immer ein günstiger Wind weht, den Schiffer gerade dahin zu treiben, wohin er eben will. Wenn die Schiffe also nicht ihren gewünschten Cours steuern, oder (auf dem Compaß) »anliegen« können, so müssen sie eben laviren oder gegen den Wind aufkreuzen. Dies ist aber nur durch die verschiedene Stellung der Segel möglich und der Raaen, an denen die Segel festsitzen können deshalb nach den verschiedenen Seiten hin angeholt (gebraßt) werden. Das Princip des Segelns, unter diesen Verhältnissen, ist ungefähr das der schräggestellten Windmühlenflügel; die Windmühle steht aber fest, und das Schiff würde durch einen Seitenwind zu viel abgetrieben werden (Abdrift machen) wenn es eben nicht so tief im Wasser ginge, und der scharfe Kiel so stark wiederhielte. Das Steuer hilft dabei ebenfalls mit, das Schiff trotz ungünstigem Winde gegen diesen anzuhalten, und den Segeln Gelegenheit zu geben es vorwärts zu treiben, was selbst geschehen kann, wenn der Wind nicht einmal mehr blos von der Seite, sondern sogar mehr von vorn kommt. Der Compaß ist in 32 Striche getheilt, und es wird angenommen daß ein mit Querraaen versehenes Schiff mit sechs Strichen in den Wind liegen kann d. h. wenn der Wind z. B. von Norden weht, im Stande ist nach West-Nord-West oder nach Ost-Nord-Ost zu liegen. Das, bald nach der einen bald nach der anderen Richtung hinüberhalten nennt man eben laviren oder aufkreuzen; das Schiff gewinnt dabei jedesmal etwas in seinem Fortgang nach Norden, und was es über den einen Bug zu viel nach Osten hinüberkommt, macht es, wenn es über den anderen Bug nach Westen liegt, wieder gut. Es ist klar daß ein Schiff, je dichter es im Stande ist am Wind zu liegen, auch desto leichter und erfolgreicher laviren und sich zu luv- oder windwärts hinaufarbeiten wird.
Das Wenden des Schiffes geschieht dadurch, daß man die, z. B. erst zu Backbord scharf angebraßten Segel löst, und nach Starbord oder auf die andere Seite hinüberbraßt, oder anzieht — und umgekehrt. Mit dem Steuer wird dann nachgeholfen, und die Segel, welche den Wind erst von der einen Seite faßten, fassen ihn nun von der anderen.
Ein Auswandererschiff erreichte vor einer Reihe von Jahren eines Abends den Hafen von New-York, aber die Nacht brach ein, es wurde dunkel und die Brise heftiger, so daß der Capitain lieber den Morgen abwarten wollte, einzulaufen. Die Nacht erhob sich ein Nord-Wester, das Schiff wurde wieder in See zurückgeworfen und brauchte nachher noch drei volle Wochen, ehe es im sicheren Hafen Anker werfen konnte.
Clüverbaum ist das was die Stenge auf den Masten ist, die Verlängerung des Bugspriets, an der die vorderen dreieckigen Segel (Clüver) befestigt sind.