»Prügeln!« rief der arme mishandelte und in den Staub getretene Jägerbursche, und wie unwillkürlich fuhr er mit der gewohnten Waffe empor.

Der Oberpostdirector wandte sich in diesem Augenblick nach ihm um, sah die drohende Bewegung des so schon zur Verzweiflung getriebenen Jägers, der mit flatternden Haaren und blutbedecktem Antlitz, wie ein zum Sprung bereiter Panther vor ihm stand, und trat, mit einem nur halblaut ausgestoßenen Schrei einen Schritt zurück. Dicht hinter ihm aber waren die Stiegen, er verfehlte die oberste Stufe, glitt aus, griff nach dem Geländer – der schwere Körper gewann aber das Uebergewicht und polternd, und Hülfe rufend, stürzte er die wohl zwanzig Fuß tiefe, sehr steile Treppe, mit dem Kopf voran, unaufhaltsam hinunter.

»Gebe Gott, daß er den Hals gebrochen hat!« sagte Wahlert ruhig, während Fritz in stummem Entsetzen zur Treppe sprang, um nach zu sehn, ob sich der Gutsherr wirklich Schaden gethan. Wahlert aber ergriff seinen Arm, zog ihn mit sich nach der Thür und sagte hier rasch und leise:

»Jetzt fort mit Ihnen – überlassen sie den Cadaver seinem Schicksal – ob er todt oder lebendig ist, braucht uns wenig zu kümmern – es wäre ein Gottesgericht gewesen – aber auch zu milde, denn wenn es überhaupt Gerechtigkeit in der Welt giebt, hatte ich immer noch gehofft den Schurken einmal hängen zu sehn. Für Sie ist aber kein Bleibens mehr im Ort – auch drüben bei Ihrem Vater können Sie sich nicht aufhalten, Sie würden jedenfalls, dem souverainen Volk jetzt gegenüber, eingezogen – vielleicht gestraft, und doch sagt mir Ihr ganzes Aeußere, daß Sie recht gehandelt.«

»Aber wo soll ich hin?« rief Fritz verstört und unschlüssig – »in diesem Aufzug –«

»Dazu kann Rath werden« erwiederte Wahlert – »hier« – und er zog seinen Burnus aus, hing ihn dem Jägerburschen über und drückte ihm dann den eignen Hut in die Stirn. – »So, hier drinn steht eine Flasche mit Wasser, da – nehmen Sie dieß Taschentuch, so – über dem Auge ist noch etwas – oh das ist eine Wunde, nun die wird schon heilen; ziehen Sie den Hut ein wenig in's Gesicht und gehn Sie jetzt geraden Wegs nach Bachstetten hinüber zum Schullehrer – halt – der ist heute Abend hier in Horneck – desto besser – so kann er Sie selbst mitnehmen – jetzt nur fort. Oben wo der Graben in den Wald läuft, in welchem ich damals von gewissen Leuten verfolgt, heraus und nach der Pfarre zu kroch, treffen wir uns – fort – die Leute kommen mit dem Gestürzten herauf.«

»Aber meine Flinte? –«

»Nehme ich unterdessen und werde dafür sorgen, daß sie wieder in Ihre Hände kommt.«

»Und mein Vater?«

»Soll durch mich erfahren, daß Sie in Sicherheit sind.« –