»War mir's doch den ganzen langen Tag, als ob eine Leiche im Zimmer läge.«

Achtes Kapitel.
Pollers Rache.

Unten im herrschaftlichen Hofe ging es recht still und geräuschlos her – der Oberpostdirector lag noch immer an den Folgen des Sturzes schwer darnieder, und wenn auch das eigentliche Wundfieber wohl überstanden war, so mußte sein Geist doch noch in furchtbarer Aufregung sein, denn er sprach viel und oft recht böse Sachen im Traum, und warf sich gewöhnlich so lange auf seinem Lager herum, bis ihn der Schmerz seiner kranken Glieder wieder aufweckte.

Der alte Poller war dabei gewöhnlich der Einzige, den er um sich duldete; seine Frau – sie mochte bitten oder weinen wie sie wollte – durfte nur sehr selten in's Zimmer, und dann auch nur wenige Minuten bleiben; der junge Poller ging ab und zu, und besorgte besonders alle die nöthigen Wege, sah nach dem Feuer u. s. w. Unten vor den Fenstern war dabei Stroh gelegt, damit das Rasseln der Wagen und das Klappern der Hufe auf dem Pflaster den Leidenden nicht stören solle, und die Knechte und Mägde hatten strengen Befehl, vor den Fenstern des Krankenzimmers besonders nicht zu lachen. Der Oberpostdirector konnte eher alles Andere hören, nur kein Lachen.

Heute schien er übrigens wieder einmal seinen ganz besonders bösen Tag gehabt zu haben, der junge Poller mußte springen und rennen und wurde fast ununterbrochen geschimpft und gescholten und wenn er sich ja einmal zum Ausruhn in einen Winkel drückte, trieb ihn sein Vater immer zuerst selbst wieder heraus. Der kleine giftige Bursche knirschte vor Zorn und Unmuth, entgegnete aber, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, kein einziges Wort des Widerspruchs und ertrug Alles – wenigstens schweigend.

Die Abenddämmerung rückte so langsam heran; immer die schlimmste Zeit mit dem Kranken, der dann stets eine Art Fieberanfall bekam, und oft bis Mitternacht die Aufmerksamkeit seiner Wärter im vollsten Grade in Anspruch nahm. Der junge Poller hatte dabei lange eine Gelegenheit gesucht, einmal auf eine kurze Zeit sich zu entfernen, gerade jetzt war aber nicht ein einziger Weg für ihn zu gehn, und er mußte bis lange nach sechs Uhr, und also schon in völlige Nacht hinein, fortwährend Handreichungen am Bette thun, und aus der Küche herauf und hinunterspringen.

Endlich sollte der Verband an der einen Quetschwunde, die den Kranken heftig zu schmerzen begann, erneuert werden, die Traubenpommade war aber nirgends zu finden – der junge Poller kroch unter allen Stühlen und Schränken herum, drehte das oberst zu unterst, und machte, jedoch immer ohne Erfolg, einen solchen Lärm, daß ihm sein Vater endlich ärgerlich zuflüsterte, mit dem verdammten Spektakel einzuhalten und rasch nach der Apotheke hinauf zu laufen, um andere zu holen. Karl Poller ließ sich das nicht zweimal sagen, griff nach seiner Mütze und sprang davon.

»Aber zum Dunnerwatter, wua stäckst de denn?« redete ihn da, als er einen schon früher mit Krautsch besprochenen Sammelplatz erreichte, dieser würdige Mann in der übelsten Laune von der Welt an – »ich stiehe und stiehe hiar un han mer die Hänge und Fiße beinah derfruren; un keen Mensche kimmt niche – wua bist de denn su lange gebliaben – he?«

»Das weiß der Henker,« stimmte Poller selbst mit ein, »heute war kein Loskommen; als ob die beiden alten Schufte – mein Vater und der Oberpostdirector, ordentlich gemerkt hätten, daß ich irgend 'was im Schilde führe.«

»Oho – jo niche,« sagte Krautsch erschreckt.