Der Oberpostdirector schlief noch immer, oder öffnete doch wenigstens die Augen nicht – die Uhr hob aus, um neun zu schlagen!
Der alte Poller drückte die Kohlenschaufel langsam und vorsichtig, um kein Geräusch zu machen, unter die Braunkohlen, und wollte sie eben wieder gefüllt herausheben, als er innehielt, und aufmerksam nach dem Hof hinüberschaute. – Ein dumpfes unbestimmtes Geräusch drang von dort zu ihm herüber und es war ihm beinahe, als ob er den Ruf »Feuer« verstanden hätte. Er ließ die Schaufel in den Kohlen stecken, richtete sich empor, und schlich auf den Zehen zum Fenster zurück. – Der Lärm draußen wurde immer lauter – auf dem Hof unten liefen die Leute hin und wieder und es mußte jedenfalls irgend etwas ganz außergewöhnliches vorgefallen sein.
Das Fenster durfte er nicht öffnen, denn der Kranke war besonders gegen kalte Luft empfindlich, er wollte also eben leise zur Thüre zurück, um seinen Sohn zu rufen, daß der einmal nachsehn könne, was vorgefallen wäre, als er jetzt ganz deutlich und bestimmt den Ruf von unten her ertönen hörte. –
»Feuer! – haben sie ihn?«
»Was ist? – was giebts?« sagte der Oberpostdirector, und drehte den Kopf nach dem Fenster zu – »was ist das für ein Lärmen, Poller?«
»Ich weiß wirklich nicht, Herr Oberpostdirector,« erwiederte der alte Mann etwas ängstlich, denn er fürchtete nicht mit Unrecht nach solcher Nachricht die zu große Aufregung des Kranken, und hoffte dabei noch immer, daß die Sache vielleicht gar nicht so schlimm sei, und bald wieder beseitigt werden könne. »Ich weiß wirklich nicht – irgend ein Betrunkener, wahrscheinlich – eine Schlägerei oder etwas derartiges – ich will doch gleich einmal nachsehn lassen.«
Er ging rasch nach der Thür, öffnete diese und rief hinaus:
»Karl – Karl! – Wo der Schlingel nun wieder steckt – Karl – Karl!«
»Das ist ein nichtsnütziger Bube!« stöhnte der Kranke – »und ich habe mich jetzt genug mit ihm geärgert – er soll mir morgen am Tag aus dem Hause – wo bleibt der verdammte Schuft – kommt er?«
»Nein, Euer Gnaden,« sagte der Alte, der eine kleine Weile auf den dunklen Gang hinausgehorcht hatte – »ich höre noch Nichts – Karl – Karl! – Christoph – Hans!«