Es hörte ihn Niemand; der gerufene Karl kauerte allerdings kaum zwanzig Schritte von ihm entfernt, hinter der dunklen Treppe, die in das obere Stock hinaufführte, wartete aber nur darauf, daß sein Vater das Zimmer verlassen sollte, und dachte gar nicht daran, dem Ruf Folge zu leisten.
»Das weiß der liebe Gott, das ganze Haus muß auf den Beinen sein, es ist, als ob es ausgestorben wäre,« brummte Poller vor sich hin, als er die Thüre wieder schloß.
»Feuer?« fragte der Gutsherr plötzlich, und suchte sich, erschreckt, und seine Leiden vergessend, aufzurichten, fiel aber gleich wieder mit einem leisen Schmerzgestöhn auf sein Lager zurück – »Feuer?« wiederholte er nach kleiner Pause – »mir war es, als ob ich draußen ›Feuer‹ rufen hörte – Poller!«
»Euer Gnaden –«
»Lauf einmal rasch hinaus, und bring mir – Jesus, wie das wieder sticht – und bring mir Nachricht, was es giebt – ob – ob Feuer ist, und – und wo es brennt – aber schnell – schnell!«
»Und ich soll Euer Gnaden so lange hier allein lassen?« frug der alte Diener.
Der Lärmen draußen wurde immer lauter, das Hin- und Herlaufen der Menschen immer ärger.
»Mach rasch – mach rasch!« rief ungeduldig werdend der Gutsherr, »soll ich denn Alles hundert Mal sagen, und mir um jeder Kleinigkeit willen die Galle an den Hals ärgern – fort mit Dir.«
Der alte Poller schüttelte mit dem Kopf, wußte aber auch nur zu gut, daß hier weiteres Einreden gar Nichts nützen würde, sondern griff nur nach seiner Pelzmütze, die neben der Thür auf dem Stuhl lag, und verließ das Zimmer.
Kaum konnte er Zeit genug gehabt haben, das Hausthor zu erreichen, und eben waren erst seine Schritte im Gang verhallt, als sich die Thür des Zimmers wieder öffnete, und Karl Poller schnell aber geräuschlos herein glitt.