»Das war der nichtsnutzige Mensch, der Krautsch,« rief der alte Thorwart, als er sich vom Boden wieder aufraffte – »na wahre Dich, mein Bursche, das gedenk' ich Dir auch noch.«
»Krautsch?« sagte da der Brenner, der in diesem Augenblicke ebenfalls herbeisprang – »ei, daß die mordbrennerische Bestie der böse Feind hole – mich hat sie bald erwürgt.«
Einzelne der nachgesprungenen Knechte kehrten, die Verfolgung in solcher Dunkelheit gar bald als unnütz aufgebend, schon wieder zurück, während die meisten in dessen dem Orte zugesprungen waren, von dem der Feuerlärm hertönte.
In diesem Augenblicke kam, in seinen Mantel gehüllt, und unter diesem etwas im Arme tragend, der junge Poller aus dem herrschaftlichen Hause und ging rasch am Thorwärter vorbei.
»Nun, wohin jetzt noch?« frug dieser.
»Apotheke,« lautete die bündige Antwort, und der Gefragte verließ den Hof und verschwand nach derselben Richtung hin in der dunklen Nacht draußen, die der flüchtige Krautsch vor wenigen Minuten eingeschlagen hatte.
Nicht Alle hatten jedoch des Brandstifters Verfolgung so leicht aufgegeben, als die bald zurückkehrenden Dienstleute; einer der Brennerknechte, ein flüchtiger, gewandter Bursche, der gleich im Anfange seinem Herrn zu Hülfe gesprungen und nur wenige Secunden zu spät gekommen war, ließ sich selbst durch die Dunkelheit nicht abschrecken, und blieb dem Flüchtigen so dicht er konnte, ohne jedoch auch nur ein Wort zu sagen, oder einen einzigen Schrei auszustoßen, auf den Hacken, ja folgt ihm, er mochte nun links oder rechts, durch Garten oder Hofraum abspringen, manchmal unter dunklen Hecken hinlaufen, manchmal freie Grasplätze überfliegen, still und unverdrossen wie sein Schatten.
Krautsch, der im Anfang schon geglaubt hatte, allen Feinden glücklich entgangen zu sein, blieb einen Augenblick stehen, um auszuruhen und zurückzuhorchen, als er dicht hinter sich die rasch nahenden Schritte hörte. Im Nu nahm er die Flucht wieder auf, dem stillen Verfolger aber entging er nicht; so oft er auch – jetzt in immer wachsender Angst – einen Vorsprung zu gewinnen glaubte, so hielt jener mit ihm stets gleiche Entfernung, ja es kam ihm sogar so vor, als ob er ihm bei ebenem, geraden Wege gar näher und näher rücke. Er verließ deshalb die Richtung, die ihm dem verabredeten Rendezvous entgegenführte, sprang über eine niedere Mauer, floh durch einen Obstgarten und erreichte einen schmalen Streifen Feld, der zwischen dem Dorfe und einer dort errichteten Windmühle lag – der Brennknecht that dasselbe – er wechselte in das Dorf zurück – sein Verfolger ebenfalls, und Krautsch fing schon an, in abergläubischer Furcht den unerbittlichen Verfolger für irgend ein überirdisches Wesen zu halten, das ihm in der Art sein ganzes Leben lang auf den Fersen bleiben, und rastlos von Ort zu Ort weiter jagen solle und werde. Er fühlte endlich, wie ihn, durch Angst und Anstrengung erschöpft, die Kräfte verließen und daß er, wenn er nicht auf eine List sinne, und sein Feind wirklich ein Mensch von Fleisch und Blut sei, rettungslos in dessen Hände fallen müsse. Durch öfteres Abdrehen war es ihm jetzt wenigstens für einen Moment gelungen, dem Verfolger aus den Augen zu kommen, wenn er auch auf dem gefrorenen Grunde die Schritte noch deutlich genug hören konnte, zu gleicher Zeit sah er, wie hier und da aus dem Dorfe Einzelne dem Hofe zuliefen, da die Nachricht, es sei Feuer im Gute unten, sich mit Blitzesschnelle im Dorfe verbreitet hatte. Das letzte Mittel also wagend, sprang er, gerade als ein junger Bursche den Weg vor ihm hinabgelaufen war, rasch über die Hecke, die ihn von der breiten Straße jetzt trennte, kroch hier einige Schritte rechts ab hinter einige Haufen Steine, und blieb hier mit klopfendem Herzen, aber regungslos liegen.
Kaum zehn Secunden später folgte ihm mit gewandtem Satz und noch immer unermüdeten Gliedern der Brennknecht, blieb an der Hecke einen Augenblick stehen und schlug sich dann, den eben vorbeigelaufenen Bauerburschen, da er Niemand weiter sah, für den Verfolgten haltend, links ab, diesem nach. Allerdings entdeckte er seinen Irrthum sehr bald, Krautsch hatte aber auch die wenigen ihm vergönnten Minuten so vortrefflich benutzt, daß er seinen Feind jedenfalls von der Fährte brachte. Dieser suchte wohl eine Viertelstunde mit unermüdlichem Eifer zwischen den benachbarten Hecken und Gräben herum, doch vergebens, der Brandstifter blieb verschwunden und der Brennknecht kehrte erschöpft, trotz der bitteren Kälte durch und durch in Schweiß gebadet, nach dem Gute zurück, wo man indeß des Feuers ziemlich Herr geworden zu sein schien.