Sobald sich Krautsch, wenigstens von dieser Seite aus, sicher wußte – und eine wahre Felsenlast war ihm dadurch vom Herzen genommen – schlug er wieder die früher beabsichtigte Richtung, dem Orte zu, ein, wo er seinen Verbündeten treffen sollte. Durch diese hartnäckige Verfolgung war er aber entsetzlich aufgehalten worden, und wenn er sich jetzt auch mit allen Kräften abmühte, recht rasch vorwärts zu kommen, fühlte er sich doch so erschöpft und abgemattet, daß er die Glieder kaum regen und die Beine heben konnte. Nichtsdestoweniger zögerte er keinen Augenblick mehr, das Versäumte nachzuholen, und wunderte sich nur fortwährend, die Lohe noch nicht aus den Scheunen herausschlagen zu sehen, da er den Feuerlärm unten doch mit eigenen Ohren vernommen.
Endlich erreichte er das Holz und, hier mit Weg und Steg genau bekannt, auch den schmalen Fußpfad, der ihn gerade bis dicht zur verabredeten Stelle führen mußte. – Er blieb ein paar Mal stehen, hielt sich, um nur nicht umzusinken vor Mattigkeit an die nächsten Bäume an und sah jetzt die kleine, etwa hundert Schritt im Durchschnitt haltende Waldwiese, in der, gleich am Rande, die Blutbuche stand, und wo ihn Poller, falls er eher eintreffen sollte als er, erwarten sollte.
An dem nämlichen Abende war der alte Holke, wie man ja auch dem Boten in der Försterwohnung gesagt, mit einem von seinen Zeichenschlägern in den Wald gegangen, um einem Wilddiebe, dessen Schlichen er erst in letzter Zeit auf die Spur gekommen, nachzuspüren. Der mußte aber wohl von irgend einem guten Freunde Nachricht erhalten haben, oder es war ihm die Nacht zu kalt und dunkel gewesen, kurz, trotz der sehr bestimmten Anzeige, daß er jedenfalls in der und der Zeit an einer gewissen Stelle im Walde zu finden sein würde, ließ er sich gar nicht sehen, und Holke kehrte eben ziemlich mißmuthig und durchfroren mit seinem Begleiter nach Horneck zurück, als sie plötzlich Beide gar nicht weit entfernt und zweimal hintereinander einen Pfiff – jedenfalls als Signal, hörten.
Die beiden Männer standen wie in den Boden gewurzelt und lauschten mit der gespanntesten Aufmerksamkeit dem bedeutungsvollen Ton. – Einige Secunden Ruhe und der Pfiff wurde wiederholt.
»Das ist er ganz bestimmt,« flüsterte Holke und faßte des Holzschlägers Arm – »ruhig jetzt, Schmidt – ich will den Schuft abwarten, vielleicht geht er in die Falle.« Er antwortete vorsichtig und horchte dann wieder mit angehaltenem Athem.
Noch einmal tönte das Zeichen und dann kamen ziemlich schwere Schritte langsam und, allem Anschein nach, jedes Geräusch vermeidend, näher.
»Jetzt aufgepaßt,« zischte der Jäger, nahm die Flinte in die linke Hand, um sie im schlimmsten Falle bereit zu haben, und machte sich mit dem Holzschläger zum Ansprung fertig.
Krautsch blieb, als er den helleren Fleck der Wiese zu seiner Linken sah und an dem Fußpfad genau die Blutbuche erkannte, einen Augenblick stehen – es war ihm, als ob er Schritte im Laube höre. Das mußte jedenfalls sein Verbündeter sein, denn der konnte, nach all dem Aufenthalt, den er selbst gehabt, den Platz schon recht gut vor einer Viertelstunde erreicht haben; es fing ihn aber jetzt, durch das langsamere Gehen und nach der früheren Erhitzung, doch an zu frieren, und er gab deshalb rasch, immer aber noch vorsichtig im dunklen Schatten der Bäume bleibend, das verabredete Zeichen. – Er pfiff zweimal leise und wartete dann auf Antwort.