Alles todtenstill. – Poller mußte wahrhaftig doch schon da sein. Er wiederholte den Pfiff und diesmal etwas lauter, und gar nicht weit wurde er, jedoch nicht dicht neben der Buche, sondern wohl zwanzig Schritte davon entfernt, beantwortet. Krautsch ging rasch auf die Richtung zu, pfiff, um sich als den Rechten zu legitimiren, noch einmal und sagte dann, als er den Platz glaubte erreicht zu haben, mit leiser, vorsichtiger Stimme:
»Poller – Poller – bist De do?«
»Ja,« lautete nach einigem Zögern die eben so leise Antwort – »wer ist's?«
»Krautsch – hast De's?«
»Herr Je,« lachte der Bauer mit unterdrücktem Jauchzen, »nu aber dusemang nach Amerika,« und er trat mit den Worten auf den kleinen dunklen Busch zu, stürzte aber auch in demselben Moment mit dem Schreckensrufe »alle guten Geister!« auf die Knie nieder, denn zwei wilde Gestalten fuhren mit Blitzesschnelle auf ihn zu, faßten ihn und warfen den Überwundenen zu Boden nieder.
»Schuft!« rief zu gleicher Zeit der alte Holke – der Eine von diesen Beiden – und knüpfte dabei seine Hundeleine von der Jagdtasche los, den Ertappten, im Falle es nöthig sein sollte, damit zu binden – »was hast Du wieder hier im Schilde geführt, Du Lump Du, willst Du gleich gestehen, oder Dich soll ein Himmelsackerment in den Erdboden hineinschlagen!«
Krautsch, der im ersten Schreck wirklich geglaubt hatte, sein früherer unheimlicher Verfolger sei unbemerkt sogar bis hierher gekommen und halte ihn nun in den Klauen, fühlte, wie ihm das Herzblut sogar in den Adern stockte, und glaubte sich rettungslos verloren. Als er aber gleich darauf Stimme und Angesicht des alten Jägers erkannte, der ihn wahrscheinlich Wilddiebstahls wegen in Verdacht hatte, und nun, da er ja doch keine Flinte bei sich führe, leicht zu befriedigen sein würde, auch von dem Brande im Schlosse noch gar nichts wissen konnte, kehrte ihm der Muth etwas wieder.
Er protestirte vor allen Dingen gegen eine solche Behandlung, frug, weshalb er räuberischer Weise im Walde angefallen würde, und verlangte freigelassen zu werden, da er nicht gewilddiebt, ja nicht einmal ein Gewehr bei sich habe. Der alte Holke hatte aber zu viel Ursache, diesen Burschen zu hassen, um nicht hier, wo wirklich Grund zum Verdacht vorlag, die Gelegenheit zu benutzen, seine Rache an ihm in etwas zu kühlen. Ueberdies waren die Worte, die er beim ersten Begegnen gesprochen, jedenfalls bedeutungsvoll. – Weshalb erwartete er, hier draußen mitten im Wald und zu so später Stunde Einen der beiden Poller hier zu finden – und »jetzt nach Amerika?« – das verlangte eine nähere Erklärung, Krautsch blieb aber hartnäckig dabei, er wisse von Nichts – er habe keinen Menschen hier treffen wollen, sondern nur seinen Heimweg verfehlt; von Amerika etwas gesagt zu haben, könne er sich nicht erinnern und verlange allen Ernstes freigelassen zu werden.
Das Leugnen machte ihn natürlich noch verdächtiger, und Holke wollte eben daran gehen, ihm die Hände zu binden, als Krautsch noch einmal Gewalt der Gewalt entgegenzusetzen suchte – matt und erschöpft aber, wie er war, konnte er gegen die beiden Männer, und der eine von diesen war ein junger rüstiger Holzschläger mit wahrhaft riesigen Fäusten, nichts ausrichten – er wurde übermannt, gebunden und jetzt aufgefordert, sich ruhig in sein Schicksal zu ergeben, und dem Jäger mit in das Gut hinein zu folgen.