»Sie haben doch von dem berühmten Schauspieler Rott gehört – es ist das einer meiner intimsten Bekannten und ich bin viele fröhliche Abende mit ihm zusammen gewesen. Rott trank so gern Malvoisier – doch das gehört nicht hierher – also Rott gastirte einmal in Wien, wo ich damals Dramaturg am Burgtheater war, und hatte sich zu seiner Haupt- und Glanzrolle ein Ritterschauspiel, ›die blutige Rache‹ hieß es, ausersehn, in dem er besonders auf eine Scene und einen Kraftmonolog seine ganze Hoffnung baute. Es war dies die folgende:

»Er, als Heldenvater, hatte eine Tochter, die mit dem Sohn seines ärgsten Todtfeindes einen Herzensbund geschlossen. Dieser entführt die Jungfrau bei Nacht und Nebel durch einen unterirdischen Gang. Kaum sind sie aber hindurch, so kommt er, der Ritter, wüthend und außer sich in das Gewölbe gestürzt, und trifft hier einen seiner Pagen, der ihm in Angst entgegenruft:

›Sie flohen durch den unterird'schen Gang.‹«

Der Schuster, dem das ungemein komisch vorkommen mochte, lachte laut auf – Strohwisch sah ihn von der Seite und zwar durch das Glas, das er eben zum Munde führte, an, und fuhr fort:

»Ihnen nach!« donnert da mit seiner Riesenstimme der Ritter.

»Sie haben Pferde, Herr!« flehte der Knappe.

»Was, Pferde!« ruft aber jener – »wenn sie nicht Flügel haben –

Die sie empor zu Duft und Wolken tragen,

So findet sie dies wackre Schwert – und dann,

Ha Dagobert, dann wehe Dir – die Schrecken