»Ja,« lachte Sophie, »das läßt sich nun nicht ändern und muß ertragen werden; uns ist es kaum besser gegangen, auch wir haben erst heute unser Mädchen abziehen lassen, und wissen nun noch nicht einmal, wie die einschlägt, die heute bei uns angezogen.«

»Das bleibt sich Alles gleich,« sagte Fräulein Schütte, »einen Satan schickt man fort und einen andern kriegt man wieder. Aber ich sehe unsere Friederike auch gar nicht auf der Straße, die muß dort um die Ecke gegangen sein – Friederi–keh! – Friederi–keh

Feodor Strohwisch unten that einen herzhaften Biß in die Feder, sprang von seinem Stuhle auf und lief wie ein Besessener in dem engen Zimmer auf und ab. Wunderbare Gesticulationen machte er dabei, und Einer, der ihn nicht näher kannte, wäre, wenn er das hätte unbemerkt beobachten können, sicher auf die sonderbarsten Gedanken gekommen.

In seinem Arbeitszimmer nämlich, und dicht neben dem Ofen, auf einem niederen braunlackirten Eckschranke, stand ein, wahrscheinlich der Wirthin gehörender alter hölzerner Haubenkopf, mit sehr roth gemalten Wangen und sehr dicht anliegenden Locken; einem ganz von Stecknadeln durchlöcherten Scheitel, ein paar dünnen, fest zusammengekniffenen ziegelfarbigen Lippen und sehr großen stieren blauen Augen, denen ein paar hochgestrichene rabenschwarze Brauen einen ganz eigenthümlichen Ausdruck gaben. Es sah fortwährend so aus, als ob der obere Theil des Gesichts ununterbrochen über irgend etwas auf das Aeußerste erstaunt wäre, und der untere Theil sich das unter keiner Bedingung wolle merken lassen.

Dieser Kopf nun war der Gegenstand, mit dem Feodor Strohwisch bei solchen Gelegenheiten, und zwar auf das lebhafteste verkehrte. Zuerst warf er dem Kopfe nur ein paar wüthende Blicke zu, die dieser auf das erstaunteste erwiederte, schoß dann noch einmal durch's Zimmer, und als die Friederi–keh von oben noch immer nicht kam, und der entsetzliche Ruf mit einer fabelhaften Geduld und Ausdauer hernieder schallte, da blieb er endlich vor dem Kopfe stehen, streckte ihm die eine geballte Faust entgegen und sagte mit dumpfer drohender Stimme:

»Fräulein Schütte, ich bin auch nur ein sterblicher sündhafter Mensch, und meine Geduld ist, wenn auch von Gummi elasticum, doch deshalb nichtsdestoweniger zerreißbar; ich hoffe, daß Sie jetzt –«

»Friederi–keh

Feodor sah in grimmer Wuth zu dem Kopfe auf; es war fast, als ob er eine Gewaltthat beabsichtige, so dunkel und drohend glühten seine Augen.

»Fräulein Schütte,« begann er noch einmal, »wenn Sie glauben, daß ich bei solchem Lärm, der Einem wie glühende Schwerter durch Leib und Seele dringt, humoristische Gedichte machen kann, so erlauben Sie mir nur, ihnen die Bemerkung zu Füßen zu legen, daß das eine reine Unmöglichkeit ist: ich kann viel ertragen, ich habe schon viel ertragen, Fräulein Schütte, aber ich verbitte mir von jetzt an alle dergleichen Barbarismen. Schon das Friederike, mit ihrer lauten gellenden Stimme gerufen, ist grausam, das keh aber hinten dran, mit der hohen Quinte, ist kannibalisch. Ich sage Ihnen –«

»Friederi–keh! Friederi–keh