»Nein da hört Alles auf – Sophie – Frau – nun das hat mir noch gefehlt – Sophie – wo ist das Mädchen, Christel, Rose oder Grete, wie heißt sie denn nur eigentlich – Christel.«
»Halten Sie sich ruhig – ich hole Sie bald ab,« flüsterte Sophie, schob den Riegel zurück und glitt rasch aus dem Zimmer, das sie hinter sich wieder verschloß.
»Aber Mütterchen, was giebt es denn nur?«
»Wer hat dem unglückseligen Geschöpf von einem Mädchen gesagt, daß es meine Stube scheuern soll?« frug hier der gestrenge Herr Pastor und stand, mit dem Lichte in der Hand, dem Hut auf dem Kopfe und den Mantel noch umgehangen, auf der Schwelle seiner Stube – »wer hat der Liese oder Christel oder Grethe, wie sie heißt, aufgetragen, mich hier mit meinen Papieren unter Wasser zu setzen?«
»Ih Du meine Güte, was giebt es denn da oben nur eigentlich, warum kommt Ihr denn heute gar nicht zum Essen?« frug die Frau Pastorin, und ihr Kopf erschien eben hoch genug, um durch das hölzerne Treppengitter hin den Gang entlang sehen zu können. »Was hast Du denn, Scheidler? Du machst ja einen entsetzlichen Spektakel?«
»Wer hat meine Stube scheuern lassen!« frug der Pastor hiergegen in lakonischer Kürze – »wer war der Unglückliche.«
»Deine Stube?« rief die Frau Pastorin erschreckt und kam rasch die Treppe ganz herauf – »ei Du lieber Gott, wenn man seine Augen doch auch nicht allerwegen hat – Rieke – Rieke – wo nur das Wettermädel wieder steckt – Sophie, ruf mir doch einmal die Rieke herauf, sie soll den Augenblick herkommen.« Und mit den Worten nahm sie ihrem Gatten das Licht aus der Hand, und hob dieses, die Stube betretend, aus der ihr ein feuchter warmer Dunst entgegenquoll, hoch empor.
Allerdings hatte aber auch der Pastor Ursache, erzürnt zu sein, und er wurde es erst noch, als er den vollen Umfang der angerichteten Verwirrung vollkommen überschauen konnte.
Die ganze Stube war gescheuert, aber nicht allein die Stube, sondern auch alles Holzwerk, es mochte nun Wasser vertragen oder nicht. Die Bücherbreter standen abgeräumt und naß, und auf den Stühlen, auf dem Ofen, auf Bett und Sopha lagen die Bücher, sorgfältig aber wild zusammengeschichtet über einander. Ja selbst der einfache Schreibtisch war der Scheuerwüthigen nicht entgangen, die Papiere, deren sie doch allein Anschein nach nicht sämmtlich Herr werden konnte, staken rücksichtslos in die oberen Fächer hineingestopft, oder flogen jetzt, da in diesem Augenblicke das Mädchen gerade unten mit einer neuen Tracht Wasser in's Haus kam, durch den Zug der geöffneten Thüre getrieben, von Bett und Sopha aus zerstreut in der nassen Stube herum. Kein Blatt, kein Buch, kein Stuhl lag oder stand an seinem alten gewohnten Platze, und der Raum glich eher jedem andern Zimmer, als dem stillen Studierstübchen eines fleißigen Pastors am Sonnabend Abend, wo er sich erst recht sorgsam auf die morgen zu haltende Rede vorbereiten sollte.
Der Pastor schritt rasch auf seinen Schreibtisch zu, sah sich hier mit ängstlich forschenden Blicken überall um, und wandte sich dann in stummer sprachloser Verzweiflung gegen die Thüre, wo eben die zankende Stimme seiner Frau laut und das bestürzte dummverdutzte rothbreite Antlitz der Magd sichtbar wurde.