Der Dritte aber, die scheue, angstdurchschauerte bebende Jungfrau, stand, die Hände krampfhaft auf den furchtsam wogenden Busen gefaltet, im kalten Zuge der Hausflur, und harrte in athemloser Erwartung des verlangten Zeichens.
Endlich – endlich wurden draußen leise, vorsichtige Schritte hörbar – dreimal klopfte es an – tick, tick, tick – tick, tick, tick – tick, tick, tick, und leise aber ohne Zögern erwiederte sie die Parole.
Kein Wort wurde gesprochen, rasch nur glitt sie die Treppe hinauf und kehrte nach wenigen Secunden mit einer in einen Mantel gehüllten, den Hut tief in die Augen gedrückten Gestalt wieder zurück.
»Hier, nehmen Sie, und Gott sei mit Ihnen,« flüsterte sie leise, und drückte dem Flüchtenden die kleine Börse, all' ihr Erspartes, in die Hand.
»Sophie,« sagte Wahlert, und eine eigene Rührung überkam sein sonst sanften Regungen nicht leicht zugängliches Herz – »ich weiß nicht – darf ich –«
»Nehmen Sie, die Augenblicke sind kostbar – es ist nur ein Darlehn, das sie mir in glücklicher Zeit zurückerstatten können.«
»Du mitleidsvoller Engel, aber nicht kränken will ich Dich jetzt durch kalte Weigerung – Dank – Dank, tausend Dank und – Lebewohl –«
Leise umfaßte sein Arm die zitternde willenlose Gestalt – er zog sie an sich und ein langer, glühender Kuß brannte auf den bleichen, kalten, unentweihten Lippen der Jungfrau.
Leise entzog sie sich endlich seiner Umarmung.
»Fort – fort –« flüsterte sie – »an jeden Augenblicke kann sich das Verderben hängen.«