»Ah – vortrefflich – vortrefflich – außgeßeignet« – rief rasch, und sich galant gegen das arme Kind verbeugend, der Ritter im afrikanischen Burnus – »Sie haben wirklich entschiedenes Talent zum Heiteren, mein Fräulein – erlauben Sie, daß ich vielleicht –«

Unter der Hand glitt sie ihm fort und zwischen den Männern hin dem Hause zu, in dessen jetzt schon dunklen Räumen sie verschwand, und Hennig, der, seit er zu dem Stand getreten war, lautlos den Tönen des fremden Mädchens gelauscht hatte, wandte sich langsam nach seinem Gefährten um und verließ mit diesem die Menge.

»Das arme Kind« brach Kraft endlich das Schweigen – »scheint auch bessere Tage gesehen zu haben – es ist gar hartes und saueres Brod den Leuten etwas vorzusingen und zu spielen, wenn's Einem gleich gar nicht wie singen und spielen um's Herz ist – wenn mich das ungewisse Abendlicht nicht getäuscht hat, so ist die Arme auch noch dazu krank, oder wenigstens schwach und leidend, was für eine gottvolle Stimme sie hat; o wie müßte die singen können, wenn's ihr so recht aus voller jubelnder Brust herausquölle und nicht – durch ein kaltes, todtes Maschinen- und Räderwerk herausgetrieben würde.«

»Kraft« sagte Hennig und legte seine Hand auf dessen Arm – »ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie mich das letzte Lied ergriffen hat.«

»Das letzte? Das fade humoristisch sein sollende Ding?« sagte der alte Schulmeister erstaunt.

»Ergriffen« fuhr Hennig fort »weil ich mich dabei des Gedankens nicht erwehren konnte, es sei so, als ob man eine Leiche schlage.«

»Das soll in Rußland noch manchmal vorkommen, wenn der zur Knute Verurtheilte unter den Streichen stirbt und die ihm zugetheilte Quantität doch empfangen muß« erwiederte Jener zusammenschaudernd – »brrrr, mir läufts eiskalt dabei über den Rücken hinunter – das ist ja ein fürchterlicher Vergleich!«

»Das arme Mädchen sollte etwas ›Lustiges‹ singen, weil der langweilige Gesell vor ihr wahrscheinlich eins seiner eigenen Produkte, oder irgend etwas Aehnliches vorgetragen wünschte, und wenn ihr auch das Herz vor innerem Weh zu brechen drohte, die Lippen mußten dem wässrigen Liede Worte geben. – Heiliger Gott, ich fühle ordentlich, wie ihr das in die Seele schnitt.«

»Auch mir fiel der ernste Ausdruck des Mädchens bei dem Liede auf« sagte Kraft, »aber ich schrieb ihn mehr der gleichgültigen Gewohnheit des täglich Vorkommenden zu. – Doch – alle Wetter – was giebt es da? – – Wahrhaftig, des Doctor Levi Stimme, der wahrscheinlich wieder eine seiner Philippiken gegen Gott und die Welt vom Stapel laufen läßt?«

»Der Doctor scheint es allerdings zu sein« rief Hennig – »hier muß aber etwas Ernstes vorgefallen sein – das Volk ist so aufgeregt, wie ich es noch nie gesehen.«