»Bitt' um Verzeihung, Herr von Gaulitz,« erwiederte Fritz, »das Holz hat fünf Stunden im Umfang und die Rausche nöthigt schon, daß Einer gewöhnlich an jedem Ufer bleiben muß. Eure Gnaden wissen dabei recht gut, wie es die Holzdiebe schon einmal im vorigen Jahre meinem Vater gemacht haben, den sie, weil er allein zwischen sie kam, an einen Baum banden, und die ganze Nacht in der Kälte stehen ließen. In diesem Jahre aber, und nach den Vorfällen in Berlin und Wien, ist mit den Leuten noch weit weniger auszukommen als früher. Heute Morgen traf ich zum Beispiel unten in der Rauschenmühle ein paar Bauern, die mir ganz rund heraus erklärten: die Leute aus der Stadt, die sie zu Abgeordneten wählen wollten, hätten sie versichert, auf ihren eigenen Feldern und in ihren eigenen Gehölzen seien sie nicht allein berechtigt zu jagen, sondern es würde auch in kürzester Zeit ein Gesetz herauskommen, das es ihnen in Wirklichkeit zuspräche, und nächstens gingen sie daher selbst in's Holz und schössen todt, was ihnen in den Weg käme. Ich möchte nun gleich bei Eure Gnaden anfragen, wie ich mich in einem solchen Falle zu verhalten habe, und ob es da doch nicht besser wäre, wenn wir noch ein paar Mann zum Forstschutz herbekämen.«

»Forstschutz? – Das fehlte mir auch noch,« rief der Oberpostdirector, der indessen seinen Geschwindmarsch auf und ab ununterbrochen fortgesetzt hatte, und nun jetzt vor dem Jägersmanne mit finsteren Blicken stehen blieb – »noch mehr Faulenzer ernähren, um die anderen in ihrem Müßiggange zu bestärken, nicht wahr? – Nein, dafür giebt's andere Mittel, wer sich auf meinem Reviere blicken und beim Wilddieben ertappen läßt, dem schießt Du eine Ladung Schrot auf den Pelz. Zum Henker, man muß der Canaille nur einmal zeigen, daß man Ernst macht. Das verwünschte Nachgeben hat schon viel zu viel Unheil angerichtet. Uebrigens habe ich von unserem Ministerium die Nachricht, daß es nach Sockwitz, wo sich erst neulich bedauerliche Zeichen von Anarchie kund gethan, eine Compagnie von der Linie verlegen wolle; das wird die Kerle schon Jesum Christum erkennen lassen.«

»Euer Gnaden,« warf hier der Jäger ein, und spielte verlegen mit dem Genickfängergriffe, der ihm am Gürtel stak – »es ist das mit dem Schießen so eine eigene Sache; todt kann man doch die Menschen eines gestohlenen Hasens oder Rehes wegen nicht gut schießen, und krank? – Flick' ich einem Bauer die Beine mit No. fünf oder sechs an, so vergißt er mir das in seinem ganzen Leben nicht und – würde das Alles wahr, was jetzt die Leute – selbst der Diaconus und der Doctor – von Frankfurt reden, dann bekämen sie sogar das Recht dazu, und nachher könnte unser Einer gar sehen, wo er bliebe, wenn er das ganze Dorf zum Feinde hätte.«

»Nun jetzt hab ich's satt!« rief eben der Gutsherr, der mit immer wachsendem Staunen und Zorn eine solche Neuerungsrede von den Lippen seines Untergebenen gehört hatte – »Was untersteht Er sich! – Er will hier als Jäger dem wilddiebischen Gesindel wohl auch gar noch die Brücke treten? – und was den Diaconus und den Doctor betrifft, so werd' ich mich nach denen näher erkundigen. Potz Donner und Blitzen, das hat mir noch gefehlt.«

»Aber Euer Gnaden, so war es doch gar nicht gemeint, ich wollte ja nur –«

»Nun ich will Dir's wünschen, daß ich Dich falsch verstanden habe. Jetzt fort, wo Du hingehörst, und daß Ihr mir bald Meldung von einem eingefangenen oder bestraften Wilddiebe macht, oder – ich mache Euch für das verlorene Wild verantwortlich. Wo steckt Dein Vater heute?«

»Er ist heute über der Rausche drüben, die Vorbereitung zur Auction der Stockklaftern und Haufen zu treffen, die wir von den, für die Eisenbahn gelieferten Stämmen übrig behalten haben.«

»Aha – also nicht geschont – nur einmal Einem der Bande die Jacke recht tüchtig voll geschossen, und die Uebrigen lassen sich das schon eine Warnung sein – ich vertret' es.«

Die Thür ging in diesem Augenblick auf, und der alte Bediente trat herein.

»Mein Karl ist draußen, Euer Gnaden, er hätte etwas zu melden.«