»Ich empfehle mich, Euer Gnaden« sagte Fritz, und wollte sich entfernen.

»Soll herein kommen – halt, noch Eins, Holke, wie ist denn das gestern Abend mit dem Flüchtling abgelaufen? – Habt Ihr keine Spur wieder von ihm gefunden?«

»Nicht das Mindeste, bis zu Pastors Obstgarten hatten wir ihn getrieben, denn als wir später die Hunde hinein brachten, wurden die laut, und es ließ sich nicht verkennen, daß etwas darin gewesen war; er muß aber zurückgewechselt sein, denn die ausgestellten Posten haben gar Nichts von ihm gesehen. Uebrigens soll er die jungen Damen, wie ich ganz bestimmt weiß, gar nicht angefallen, sondern nur angeredet haben; Fräulein Sophie Scheidler hat das selbst gesagt.«

Die Thür ging auf, und Karl Poller, der Sohn des alten Bedienten, ein bleicher, hagerer junger Mensch mit grünen Augen und dünnen, fast weißen Haaren, trat mit einer tiefen Verbeugung ein, und blieb dann, die Mütze in der Hand drehend, auf der Schwelle neben Fritz Holke stehen. Er that, als wenn er den Jägerburschen gar nicht sähe.

»Nun, Karl, wie ist's? – richtige Fährte?«

»Alles in Ordnung,« grinzte, mit widerlichem Lachen der Angeredete, »der Fuchs steckt richtig im Loch drinnen, ich hab' ihn nicht allein gehört, sondern sogar mit leibhaftigen Augen gesehen.«

»Wahrhaftig? – gut! – herrlich! – dann dürfen wir aber ja keine Zeit verlieren, ihn abzufangen – ruf' mir den Gerichtsschreiber herauf, Karl, rasch – er soll im grünen Zimmer auf mich warten –«

»Sehr wohl, Euer Gnaden,« erwiederte der Bursche, und schwenkte mit rascher Bereitwilligkeit rechts um, blieb jedoch noch einmal stehen und sagte zögernd –

»Bis Dunkelwerden möchten wir aber doch wohl damit warten – ich weiß nicht, die Bauern haben in letzter Zeit ganz andere Reden geführt wie früher.«

»Von denen haben wir Nichts zu fürchten,« lachte der Gutsherr höhnisch, »die hat mir der Pastor so unter der Fuchtel, daß sie sich hüten werden, ein Wort in meine Gerichtsbarkeit hinein zu werfen, doch es mag sein, also nach Dunkelwerden. Allons, marsch!«