»O Sie dürfen mich nicht im Stiche lassen,« bat Sophie – »ja nicht, liebe gute Marie, ich habe ganz fest auf Sie gerechnet – nicht wahr, Sie machen es möglich? –«

»Könnte ich da nicht vielleicht« – sagte Marie zögernd – »die Arbeit zu mir in's Haus bekommen? – Vielleicht ging es hier.«

»Aber Sie haben da – Sie haben da gar keine Bequemlichkeit«, erwiederte Sophie, und warf einen halb scheuen, halb mitleidigen Blick in dem kleinen, leeren, unbehaglichen Gemach umher. –

»Ich kann mich hier niederlegen, wenn mich das Sitzen angreift,« entgegnete das Mädchen – »ich bin ungestörter – und werde schneller arbeiten.«

»Nun gut, wir wollen uns darüber nicht streiten,« beruhigte sie Sophie – »machen Sie das, wie Sie wollen, liebes Kind – aber – kann ich Ihnen nicht vielleicht mit irgend etwas –«

»Ich danke Ihnen herzlich,« unterbrach sie, ihre freundliche Meinung verstehend, Marie, »ich habe, durch Ihre Güte, für jetzt Alles, was wir brauchen – und das ist genug – Ihnen geht es gut jetzt – Sie sehen recht wohl und fröhlich aus.«

»Mir geht es recht gut, liebe Marie, ich danke Ihnen,« sagte Sophie freudig – »mein Leben scheint sich auch ganz gut und glücklich zu gestalten – das wenigstens, was meinen Himmel bis jetzt getrübt, ist verschwunden.«

»So?« frug mißtrauisch und schnell des Musikanten Tochter – »plötzlich verschwunden? –«

»Seit gestern,« erwiederte fröhlich lächelnd Sophie auf die Frage – »rathen Sie einmal, Marie, was ich jetzt bin?«

»Was Sie jetzt sind?« wiederholte erstaunt und mit stockenden Herzschlägen Marie – »was Sie jetzt sind? ich begreife die Frage nicht?«