Auf dem Hofe des Rittergutes zu Horneck sah es ziemlich still und leer aus, die Knechte waren noch in der Schenke oben, oder saßen in der Gesindestube – die Mägde melkten die Kühe, um recht bald fertig zu sein, und den Tanz nachher nicht zu versäumen, und die Brennerei und andere Gebäude standen fest verschlossen. Nur im Zimmer der Herrschaft brannte helles Licht und eine laute Stimme schallte manchmal von dort herüber über den stillen Hof, daß Eines oder das andere vom vorübergehenden Gesinde wohl einen Augenblick stehen blieb, zuhorchte, dann mit dem Kopfe schüttelte und weiter ging.

Die breite steinerne Treppe, die, von zwei Seiten und in der Mitte zusammenlaufend, zur Eingangsthüre der herrschaftlichen Wohnung hinaufführte, stieg jetzt ein Mann hinauf, der wohl schon eine Viertelstunde unten im Schatten der Kastanien gestanden und der Stimme gelauscht hatte. Er blieb auch auf den Stufen noch einige Male stehen, und schien überhaupt gar nicht so recht entschlossen, ob er weiter gehen oder vielleicht gar lieber wieder umkehren solle. Endlich entschied er sich aber doch wohl für das erstere, sprang schnell die noch wenigen Stufen hinauf, öffnete rasch die Thüre und sah gerade wie von dem Schlüsselloch links – nach derselben Stube hinein, aus der das laute Sprechen tönte, eine dunkle Gestalt blitzesschnell zurück und der in die Gesindestuben niederlaufenden Treppe zufuhr.

»Poller!« rief aber der eben Gekommene, und der junge Bursche, der hier so unversehens beim Horchen ertappt worden, wandte sich rasch um und blieb stehen.

»Poller – pst!« wiederholte aber der Erstere, »auf ein Wort!«

»Hallo, Krautsch,« sagte mit überraschter, aber unterdrückter Stimme der Horcher, und kam mit geräuschlosen Schritten auf diesen zu – »was zum Teufel führt Dich denn eigentlich hierher – laß Dich nur um Gottes Willen nicht – und besonders heute nicht von dem gnädigen Herrn blicken, der ist schon wüthend genug auf Dich wegen Deines Wilddiebstahls, eine Sünde, die Du einmal nicht lassen kannst, und heute kämst Du ihm außerdem gerade recht.«

»Nu, was giehts denn grade hinte an en Sonndag?« frug Krautsch – »hot he sich mit Jemand gezankt?«

»Mit Jemand? – nein, die, welche Ursache hätte gegen ihn zu zanken, thut den Mund nicht mehr auf, so gut sie auch sonst die Zunge zu brauchen wußte!«

»Was? – habt' Ihr ene Leiche im Haus?« rief Krautsch erstaunt.

»Nein, fürchte Dich nicht,« lachte Poller – »'s ist nur die neue Frau von Gaulitz, die jetzt Schläge kriegt nach Noten.«

»De Frau von Gaulitz Schläge? – Papperlapapp,« sagte ungläubig der Mann – »ja, wenn unse Eeener verheirath' is, und seiner Olen eimal ene im Vertrauen sticht – aber die gnädige Frau von Gaulitz –«