»– Wird von dem alten Schuft mißhandelt, daß es eine Art hat,« ergänzte Karl Poller in nicht gerade ehrerbietiger Weise des Freundes Rede – »Die Geschichte spielt übrigens schon ein paar Monate – ja seiner ersten Frau, einer wirklichen Dame, hat er's nicht besser gemacht, und da braucht sich die jetzige, seine frühere Haushälterin, denn auch nicht zu wundern, daß es ihr nicht besser geht – na, verdient hat sie's – wenn auch nicht gerade um ihn.«
»Verdient? – wie so?« frug Krautsch neugierig.
»Hm,« meinte Poller wichtig – »das sind Familiengeheimnisse, die besser ›unter uns‹ bleiben – man hat auch seine Rücksichten zu nehmen. – Aber was führt Dich eigentlich auf's Schloß her, willst Du wirklich den gnädigen Herrn selbst sprechen.«
»Ne, ich danke,« brummte der Wilddieb, »där mechte mer schiane uf de Hucke steigen – ich wulle Dich sprächen – he Karl, wie stiahts denn egentlich mit meiner Geschichte – han ich was zu ferchten, un is es verleicht besser, ich bin emal Morgens ganz wegg?«
»Besser jedenfalls,« erwiederte ihm vorsichtig Poller – »außerdem liegt der Wilddiebstahl nicht allein gegen Dich vor, sondern ich weiß aus ganz sicherer Quelle, daß, der Teufel mag errathen woher, noch eine andere Klage gegen Dich aufgetaucht ist, die – doch Du wirst schon wissen, was ich meine.«
»Dunnerwetter!« rief, aber mit ganz leiser, erschreckter Stimme der Bursche – »das wiare en schiane Geschichte, aber Mosje Poller, in där stiaken mer nich alleene drin – zu där sein noch angere Personen nethig, die nachens eben so dusemang fortmachen kennten wie unser Ener.«
»Sprich nicht so laut,« flüsterte Poller – »ich weiß wohl, es ist eine verfluchte Bescheerung und ich werde Dich darin nicht im Stiche lassen; ich kann's aber am besten noch abwarten, denn hier sitz ich an der Quelle, und bin jeden Augenblick im Stande, zu erfahren, wie die Sachen stehen. Ist's nachher Zeit, nun zum Henker noch einmal, dann müßt's ja keine Eisenbahnen geben, und so viel, daß man nicht gerade gleich verhungert, nun dazu wird wohl noch Rath werden.«
»Here, bei dem Verhungern,« flüsterte Krautsch, »fällt mer en verflucht guder Gedanke in – wie wärsch denn nu, wenn mer –«
»Pst!« sagte Poller, und horchte aufmerksam nach der Thür herüber, hinter der der Lärmen gerade von Neuem auszubrechen schien – »jetzt geht's wieder los, na der klopft seine eine Hälfte in der Nacht noch windelweich – so einen Mann wünscht' ich mir auch, wenn ich eine Frau wäre – alt, geizig wie ein Harpar, häßlich wie die Nacht, ein Tyrann wie ein Tiger und ein frommer Betbruder dabei, der so voller Bibelverse steckt, wie ein alter Käse voller Maden.«
»Jetzt sagt sie wuhl was?« flüsterte Krautsch, hinüberhorchend.