»Na also, un worum kennen wir Beede das nich etwa kreihn? Das mecht ich wissen. –«

»Das geht nicht,« sagte Poller nach kurzem finsteren Brüten – »am Tage ist das Zimmer, wo das Geld liegt, fest und sicher verwahrt, und liegt so von den übrigen Wohnungen umgeben, daß an ein Einbrechen gar nicht zu denken wäre, und in der Nacht schläft jetzt, seit es auf dem Gute ist, der Oberpostdirector selbst darin, und hat immer zwei geladene Pistolen neben sich über dem Bette hängen. Das Einzige wäre –«

»Nu – 'raus mit das Eenzige.«

»Das Einzige wäre, wenn er einmal wieder in dieser Zeit sein gewöhnliches Reißen bekäme und das Bett den Tag über hüten müßte; dann ging es allenfalls, dann sind wir, ich und mein Alter, die einzigen Personen, die zu ihm hinein dürfen, und nachher – Gift und Tod, das müßte eine Wonne sein, dem alten schurkischen Geizhals den so heilig gehaltenen Mammon von der Seele reißen zu können, und das wäre allerdings eine Rache. Ich glaube, er ließ, wenn ihm die Wahl gegeben würde, zehntausendmal lieber sein Leben als sein Geld, und verdammt will ich sein, wenn er es da nicht auch ganz richtig taxirt. – Wart Bursche, den Karl Poller hast Du nicht umsonst wie einen Hund geschlagen und getreten, und gedenken thut Dir's der, so lange er ein Glied rühren und einen Plan ausbrüten kann.«

»Also wenn er im Bette liggt, nachens kennten mer ankommen?« frug Krautsch.

»Die Leute wären nur immer noch zu sehr im Weg,« brummte Poller leise vor sich hin – »wenn man nachher etwas auffinden könnte, sie alle hinten nach den Scheunen hinzulocken.«

»Hm, das wäre nu grade keene Kunst niche,« lachte der Mann – »en kleen Bischen Feier in's Untertenne mißte ungeheier schiahn aussähn – nachens sterzten se sicher Alle hinger.«

»Brandstifter?« sagte Poller erschreckt – »alle Wetter nein – das geht doch nicht – da steht Kettenstrafe drauf und zehn oder funfzehn Jahre mit einer Kette am Bein Straßen zu kehren – nein, damit wäre der Spaß doch ein Bischen zu theuer erkauft.«

»Papperlapapp!« sagte mit heiserem Lachen Krautsch, »wenn mer sich derwischen läßt, so hat mer's nich wegen Brandstiften, sondern wegen's d'Erwischen lassen verdient – mer werd aber nich so dumm sin – mir kommen weck, davor sin mer sicher.«

»Ich weiß doch nicht – die Sache ist mir zu gefährlich, das will ich gerade nicht sagen, klingt aber zu bös und – könnte Einen in verdammte Verlegenheiten bringen – ich will mir's lieber noch eine Weile überlegen – wir können morgen wieder einmal darauf zurückkommen.«