»Undankbar Sadie?«

»Er hatte es so gut um uns gemeint, und Du hast ihn so kalt und heftig abgewiesen.«

»Täusche Dich nicht, mein Lieb,« sagte René, sie fest an sich pressend — »der stolze Priester meint's mit Niemand gut, und wenig Dank werd' ich ihm, vor allen Andern schulden. Er weiß das selber auch am Besten und kann nichts Anderes erwartet haben. Ach Sadie, es war mir ein gar so wehmüthiges, ja bitteres Gefühl, daß sich der finstere Gesell gerad' in der letzten Stunde noch zwischen uns stellte und die Herzen auseinander hielt. Ich weiß nicht mir schnürt's die Brust noch jedesmal zusammen in seiner Nähe.«

»Ach mir ist's auch ein wehes, wunderlich Gefühl« flüsterte Sadie, »und doch wär's Sünde, denn er meint es treu, und wenn er auch mit strengem starren Sinn den Weg verfolgt, den er nun einmal für den einzig wahren hält, so dürfen wir ihn doch darum nicht tadeln. Er ist im Zorn von uns gegangen.«

»Laß ihn gehn« rief aber René, hochaufathmend, und den Blick dorthin zurückwerfend, wo der ehrwürdige Herr verschwunden, als ob er der wirklichen Entfernung desselben noch immer nicht traue — »mir ist ein Stein vom Herzen daß er fort ist.«

»Ist er's auch wirklich?« flüsterte da eine Stimme dicht neben ihnen, und als sie überrascht dorthin umschauten glitt Aia, das wilde schöne Mädchen hinter einem dichten Orangenbusch vor, und trat zu den Beiden.

»Aia!« rief Sadie erfreut und doch auch vorwurfsvoll — »Du böses, böses Kind, wo hast Du so lang Dich herumgetrieben in der Welt, daß Du gar nicht mehr an Deine Sadie gedacht?«

»Und ich wollte ich müßte auch jetzt nicht an Dich denken« sagte das Mädchen leise und sie kämpfte dabei hart mit sich, eine aufsteigende, ihr sonst fast fremde Rührung zu verbergen.

»Und weshalb, Aia?« frug Sadie.

»Mach ihr das Herz nicht wieder schwer, Du wunderliches Kind« sagte aber René jetzt, ihr leise mit dem Finger drohend, »bist solch ein tolles Ding wenn Du da draußen herumtobst, unter den wilden die wildeste, und wie ein anderer Geist scheint es über Dich zu kommen, wenn Du diese Schwelle betrittst.«