Die schwarzgekleideten bleichen Männer, mit den gezwungen milden und doch heute so eilfertigen Zügen konnten nicht dazu dienen Renés überdies gereizte Stimmung zu bessern, oder freundlicher zu gestalten, und finster und schweigend erwiederte er ihren Gruß, wenn sie an ihm vorüberschritten, oder gar ein Gespräch mit ihm anknüpfen wollten in ihrer Art.
Gedanken- und ziellos schlenderte er so am Strande hin, die Arme auf der Brust ineinandergeschlagen, und den Hut fest und verdrossen in die Stirn gezogen, als er plötzlich von klarer wohlbekannter Stimme seinen Namen rufen hörte, und aufschauend sich gerade vor Mr. Belards Hause fand, dessen Fenster eines breiten Hintergebäudes diesen ganzen Theil des Strandes überschauten, und von der Familie eingenommen waren, Zeugen der erwarteten Vorfälle zu sein.
Madame Belard selber hatte ihn gerufen aber er schrak förmlich zusammen, und fühlte wie ihm das aufschießende Blut die Stirnadern zu sprengen drohte, als er dicht neben dem freundlichen Gesicht der jungen hübschen Frau, die engelschönen lächelnden Züge Susannens erkannte, die ebenfalls zu ihm niedergrüßte.
»Es freut uns herzlich, Monsieur Delavigne wieder so frisch und wohl zu sehen,« rief Madame Belard jetzt, als er in aller Ueberraschung und Verlegenheit nur eben flüchtig grüßte und vorüberstürzen wollte — »aber hat er nicht einmal so viel Zeit einen Augenblick herauf zu kommen, und zu sehn wie es alten Freunden geht? Wenn Sie nicht andere Geschäfte fortrufen, haben wir hier ein prächtiges Plätzchen für Sie das Schauspiel, einer friedlichen Insel Eroberung, mit anzusehn und Sie mögen unser Begleiter sein, wenn sich die Erde hier in Französischen Grund und Boden verwandelt.«
»Und darf ich?« frug René, und die Frage galt diesmal dem jungen Mädchen, das bis dahin nur lächelnd zu ihm niedergeschaut und jetzt fröhlich ausrief:
»Wenn Sie sich nicht vor der Tochter Ihres früheren Capitains fürchten — ich wüßte keinen anderen Grund weshalb nicht« — und wenige Minuten später stand René in dem kleinen Gemach an Susannens Seite, die Frauen zu begrüßen.
»Großer Gott, wie bleich sehn Sie aus« rief aber hier das junge Mädchen, als er ihr die Hand gereicht und das Blut, die erste unnatürliche Aufregung vorüber, wieder in seinen alten Canal zurückdrängte — »Ihre Wunde ist noch nicht geheilt, und Sie haben sich zu sehr angestrengt — guter Gott, Ihr Tollkopf wird Sie noch unter die Erde bringen.«
»Und würden Sie mich betrauern?« frug René, ihr forschend ins Auge schauend.
Susanne erröthete, aber Madame Belard enthob sie einer Antwort, denn den jungen Mann dem Lichte zukehrend stimmte sie Susannen bei und erklärte, Monsieur Delavigne gleiche eher einem herumwandelnden Todten, als einem Lebenden, und je eher er sich setze und ein Glas Madeira trinke, desto besser sei es für ihn — zu früh könne es aber gar nicht mehr geschehen, und ihre Schlüssel aufgreifend, von denen sie den Kellerschlüssel ihrer Indianischen Dienerschaft nicht anvertrauen durfte, verließ sie rasch das Zimmer, die eben verordnete Arznei auch gleich selber zu holen und einzugeben, wie ein guter, sorgsamer Arzt.
Susanne und René waren allein, und der Letztere wollte sich eben mit seiner Wunde für sein, vielleicht unfreundlich scheinendes Betragen von vorhin entschuldigen, als diese für ihn selber sprach; die ungewohnte Anstrengung, da es das erste Mal gewesen war nach seiner Verwundung daß er einen solchen Marsch unternommen, die Aufregung zu Hause — jetzt, und beide ach wie so verschiedener Art, wirkten zu heftig auf ihn — er mußte von dem rasch zuspringenden Mädchen unterstützt, zu einem Stuhl taumeln und mit einer Ohnmacht kämpfend, deren Schleier er aber glücklich bezwang, stützte er das todtenbleiche Antlitz in die Hand, sich wieder zu sammeln, zu erholen.