»Sie böser, böser Mann« flüsterte das schöne Mädchen, ihr weiches Tuch rasch in kalt Wasser tauchend und um seine Stirn legend — »was laufen Sie auch toll und wild in die Welt hinein, wenn Sie krank und elend sind — weshalb hat Sie Ihre Sadie nur hinausgelassen?«

Sadie — René athmete tief und schwer und seine Stirn fassend traf er der Jungfrau Hand, die dort das Tuch hielt und sie nicht wegziehn durfte wenn es nicht fallen sollte. Sie blieben wenige Secunden in dieser Stellung und Susanne fuhr wie bestürzt zurück, als sich die Thür rasch öffnete in der Madame Belard mit Flasche und Glas im Arm wieder erschien, und etwas erstaunt, ja erschreckt, das bleiche Antlitz ihres Gastes bemerkte.

»Hallo, was ist hier vorgefallen,« rief sie halb lachend halb bestürzt, »werden die Herren ohnmächtig und müssen ihnen die Damen beistehn? — schöne verkehrte Welt das, aber meine Medicin ist da um so mehr am Platz. Hier Monsieur« fuhr sie fort, ihm ein volles Glas einschenkend, aber zugleich einen flüchtigen Blick nach Susannen hinüberwerfend setzte sie neckend hinzu: »und die Dame da scheint mir auch ein Glas vertragen zu können, Ihr habt Euch Beide alterirt — Wie steht es mit Ihrer Wunde, Delavigne?«

»Besser — gut« sagte er rasch.

»Sie haben von Ihrem Gegner gehört?« frug Susanne leise.

»Ja« hauchte René.

»Er hat es nicht anders haben wollen« beruhigte ihn aber die Französin — »wäre er mit der ersten Lektion zufrieden gewesen, so war die Sache abgemacht und Niemandem ein Schade geschehn — es soll das siebente Duell gewesen sein, das er gehabt. Aber reden wir von etwas Angenehmerem« setzte sie rasch hinzu, »wissen Sie daß unsere junge Freundin Briefe von zu Haus, und noch zwei bis drei Monat Urlaub bekommen hat, auf Tahiti zu bleiben? — der alte Seewolf muß doch gar kein so übler Mann sein.«

»Und ist der Delaware glücklich zu Hause angekommen?« frug René lächelnd zu Susanne gewandt.

»Oh schon lange« erwiederte Susanne, »und hat eine ausgezeichnete Reise gemacht« setzte sie dann mit komischem Ernst hinzu — »Sie haben sich sehr im Lichte gestanden, Monsieur Delavigne, nicht an Bord geblieben zu sein. Sie könnten jetzt ihren Thran zu höchst annehmbaren Preisen — Papa hat mir einen Preis-Courant mitgeschickt, als ob ich für ihn Geschäfte machen sollte — an die Firma Bornholm Watts & Comp. verkaufen und hätten noch immer Zeit genug übrig behalten sich zu einer neuen so romantischen Fahrt auf den Wallfischfang auszuruhen und zu rüsten. Sie werden mir zugeben daß Einem auf einer solchen Fahrt höchst interessante Sachen begegnen können.«

»Sie werden mir zugeben Mademoiselle, daß Sie grausam sind« sagte René — »Sie wissen nicht wie weh Sie mir gerade jetzt mit solchen Worten thun.«