»Wenn sich selber überlassen, ja« sagte er ernst, »aber der Fanatismus wird seine Brandfackel in ihre Herzen schleudern; der heilige Geist wird wieder die Trommel rühren, und die »Lämmer Gottes« zum Kampfe treiben und der Name Gottes wird auf's Neue zum Schlachtschrei gebraucht werden, Ehrgeiz und Habsucht zu verdecken und beleidigte Eitelkeit zu rächen. Ich glaube an keine friedliche Unterwerfung.«
»Sie werden sich natürlich zu den Eingebornen schlagen?« sagte halb neckend halb lauernd Susanne, und ließ ihren Blick fest und forschend auf dem jungen Franzosen ruhn.
»Wir würden dann unter einer Fahne kämpfen« lachte René der Frage ausweichend.
»Wer ich?« rief Susanne schnell — »da haben Sie weit am Ziel vorbeigeschossen, Monsieur; wenn auch in Nordamerika und von einem Protestantischen Vater geboren, bin ich doch in Louisiana im rechten Glauben erzogen, und meine Sympathie ist ganz auf Seiten des Gekreuzigten — ich hasse die Methodisten.«
»Gott weiß es, ich auch« sagte René und der tiefe Seufzer mit dem er es sprach bürgte für die Aufrichtigkeit. »Der beste von ihnen ist gestorben« fuhr er dann, wie mit sich selber redend fort, seine Worte wenigstens an keine der Frauen richtend — »der alte Osborne war ein braver wackerer Mann, und sie haben ihm das Herz gebrochen, mit ihren Intriguen und Anfeindungen. Wenn auch jetzt Einzelne zwischen ihnen sein mögen, die wirklich in wahrem Glaubenseifer der einmal betretenen Bahn folgen — die meisten sind Heuchler, hängen den Namen Gottes vor ihr eigenes Bild, und streuen nur Haß und Unfrieden in Familienkreise, wo sie Liebe und Eintracht säen und die Herzen aneinander festigen sollten statt sie auseinander zu reißen. Gift über sie, mir thäte es in der Seele wohl ihre Macht hier gebrochen, ihr Reich zertrümmert zu sehn — und doch fürchte ich, kann es nicht ohne Blutvergießen geschehn, denn gutwillig geben diese Leute die Waffen nicht aus ihren Händen.«
»Ha der Schuß!« rief Susanna die den Blick gerade auf das Französische Admiralschiff geheftet hielt, und den blendenden Strahl bemerkte, der plötzlich daraus hervorschoß, und mit dem Worte fast schlug der Donner des Geschützes an ihr Ohr und machte das Blut von Tausenden rascher durch die Adern jagen.
»Da kommen auch die Boote!« rief René, »nun wird sich das Schicksal des Tages bald entscheiden.«
»Und glauben Sie daß die Eingebornen jetzt einen Kampf mit uns wagen werden?« frug Madame Belard rasch und ängstlich.
»Fürchten Sie Nichts« lachte aber René — »was können die Unbewaffneten jetzt gegen die Schießgewehre der Soldaten, mit den Kanonen der Fregatten auf sich gerichtet, beginnen, es wäre Wahnsinn, und ein solcher Kampf müßte so rasch enden, wie er begonnen hätte.«
Die Boote stießen wirklich von den verschiedenen Kriegsschiffen ab; Schaluppen vollgedrängt von Bewaffneten, die von den regelmäßigen Riemenschlägen der Matrosen getrieben, rasch wie der Seefalke auf seine Beute, dem Lande zuschossen. Das Ufer stand gedrängt voll Menschen, aber man sah keinen bewaffneten Insulaner; die Lenden und Schultern mit ihren Tüchern umhüllt, die Brust und das Haupt mit Blumen und gelben Bananenblättern geschmückt, lachend und schwatzend standen sie da, die Boote erwartend, als ob deren Kommen eine für sie sehr gleichgültige, vielleicht sogar erwünschte Handlung wäre, und nicht wirklich den Umsturz alles Bestehenden, in Politik, Religion, Regierung und Gesetzen drohte und bedingte.