Kaum Raum gaben sie dabei den landenden Truppen, und wenn diese auch anfänglich mißtrauisch den zahlreichen Schwarm betrachteten, der schon in seiner Masse ihnen hätte eine Art Widerstand bieten können, sahen sie doch bald daß sie hier weder Angriff noch Schwierigkeiten zu erwarten hätten, und der Menschenknäul, fast aus eben so viel Frauen und Mädchen als Männern bestehend, drängte sich langsam auseinander, dem landenden Feinde Raum zu geben, seine Truppen aufzustellen.
Es waren etwa zweihundert Artilleristen und Marinesoldaten und drei bis vierhundert Matrosen, mit Cutlaß, Pistolen und Musketen bewaffnet; die Bayonnette aufgesteckt, und ziemlich gut einexercirt formirten sie sich auf das Commando in einzelne starke Rotten, und zogen mit festem dröhnendem Schritt, von dem Corvetten-Capitain Mons. D'Aubigny angeführt, der sogar zum zeitweiligen Regierungsrath der Insel von dem Admiral Du Petit Thouars ernannt worden, zum Hause Pomares hinauf, von dem noch immer, fest und trotzig die Landesfahne mit der stolzen Krone ihren Feinden furchtlos entgegenwehte.
Im Hause aber lag Alles todtenstill — die Vorhänge waren niedergezogen, die Thüren verschlossen, kein Mensch auf der Verandah oder an irgend einem Fenster zu sehn, denn die Furcht schien doch stärker in den Herzen der Einanas, als die Neugier, und lautlos rückte die Schaar in geschlossenen Colonnen bis dicht vor das Haus, schwenkte, machte Front und die Gewehre rasselten auf das Kommandowort auf den hartgetretenen Boden nieder.
»Und was werden sie jetzt thun, wo sich Niemand ihnen widersetzt?« frug Susanna, und fast unwillkürlich wandte sich ihr Herz dem Schwächeren, Angegriffenen zu, den sie widerstandlos dem mächtigen Feinde übergeben sah.
»Sie werden die Flagge herunternehmen« sagte René, »die Tricolore dafür aufpflanzen und das Land in den Besitz des Königs von Frankreich erklären, so wenigstens lautete die Drohung des Admirals.«
»Und was geschieht mit der Tahitischen Flagge?« frug Susanna rasch und blickte dem jungen Mann fest in's Auge.
»Ich weiß nicht« lächelte dieser, »irgend einer der Officiere wird sie wohl mit sich auf's Schiff zurücknehmen.«
»Ob wohl ein specieller Befehl da ist, was mit ihr geschehen soll?«
»Ich glaube kaum« meinte René — »was liegt an dem Tuch?«
»Ich weiß nicht was ich darum gäbe, die Fahne mein eigen zu nennen« rief Susanna da plötzlich, und Stirn und Wangen bis tief in Nacken und Busen nieder waren wie von Gluth übergossen.