»Hahahaha« lachte Aumama mit wildem Feuer im Blick — »Aia hatte recht — sie sind sich alle, alle gleich — Alle, Teufel mit ihren glatten Zungen und freundlichen Augen, und wenn sie die Blume gepflückt die ihnen im Wege stand, und sich an ihrem Duft einen Augenblick gefreut — werfen sie sie fort — sie geben ihr nicht einmal zum Welken Zeit« setzte sie mit weicherer wehzerschnittener Stimme hinzu, »und im Weg, von den Vorübergehenden getreten muß sie ihr junges hingemordetes Leben lassen. Aber Rache will ich haben, Rache beim ewigen Gott!« rief sie plötzlich sich hoch und stolz emporrichtend — »meine Kinder hab' ich schon in die Berge geschafft, in gute Pflege, daß sie mich nicht an meinem Ziel beirren, und der treulose Mann soll sehen, wie sich ein Tahitisches Mädchen zu rächen weiß.«

Aumama war in furchtbarer Aufregung, und Sadie schrak zurück vor der entsetzlichen Gluth und Wildheit die in ihren Zügen lag, und der sie das sonst so sanfte fröhliche Wesen nie für fähig gehalten hatte; sie wollte sie beruhigen, aber das gereizte Weib stieß sie zornig zurück, und der Schmerz löste sich erst in milden Thränen, als die Erinnerung an vergangenes, nie wiederkehrendes Glück sich Bahn brach durch Leidenschaft und Trotz.

Und Sadie saß noch lange, das frohe spielende sorglose Kind zu ihren Füßen, das Haupt der Freundin an ihre Brust gelehnt, Trost gebend wo sie selber o des Trostes so viel bedurfte, entschuldigend wo ihr selber das Herz brechen wollte in Angst und furchtbarer Qual.

Und René? —

Saß lachend und plaudernd neben Madame Belard, der schönen Susanna gerade gegenüber; sie sprachen von der Welt draußen, von Paris, von seinem Vaterland, sie lachten und scherzten, und als sich Susanna endlich an das Pianoforte setzte und mit fertiger Hand dem schönen Instrument so liebe bekannte Weisen entlockte, als ihm das Herz immer höher und höher schlug und das Blut heiß durch die Adern jagte, da — er mußte sich gewaltsam zurückhalten der schönen Spielenden nicht in zu glühenden Worten zu sagen wie glücklich sie ihn heute Abend gemacht, und mit wie schwerem Herzen er doch heute gerade nach Papetee gekommen — da fühlte er vielleicht zum ersten Mal den Abstand seines jetzigen Lebens mit der früheren Welt, die fest und abgeschlossen hinter ihm lag, die Brücke abgebrochen die hinüberführte — Zum ersten Mal brach sich der Gedanke in ihm Bahn an das was er gethan, und das Bild des alten Osborne, wie er im Lehnstuhl auf Atiu vor ihm saß, so ehrwürdig mit dem weißen Haar, so mild und ernst mit den freundlichen stillen Zügen, tauchte in ängstlicher Wahrheit vor ihm auf und blickte, wehmüthig mit dem Kopfe nickend und mahnend zu ihm herüber.

»Spiel' etwas Heiteres, Susanna« rief da Madame Belard, »unser junger Freund wird schon wieder ganz bleich und melancholisch — die Marseillaise ist heut besser hier am Platz, und nicht all das süße und weiche Gekose.«

Susanna ging rasch in die herausfordernden Töne des begeisternden Liedes über, und René fühlte wie ihn die Melodie hob und sich selber wiedergab — Großer Gott, wohin war er gerathen — was hatte er gethan? und mit dem Bewußtsein faßte ihn die Angst — die Reue. Nur fort von hier jetzt, fort, war der einzige Gedanke der in ihm lebte, und aufspringend griff er nach seinem Hut.

»Wohin?« frug Madame Belard erstaunt.

»Zu Hause —«

»Jetzt? — Sie werden doch erst Thee mit uns trinken — nicht einmal das Lied will der grobe Mensch aushören« rief die junge Frau erstaunt.