Außerdem aber waren die Französischen Soldaten streng beordert die Eingeborenen freundlich zu behandeln, und ihnen strenge Strafen angedroht, wenn sie dieselben durch Erpressungen, Mißhandlungen oder sonstigen Uebermuth reizen und dadurch Anlaß zu Streitigkeiten geben würden.
Den Fremden war ebenfalls ihr Eigenthum vollständig gesichert, nur sollten sie sich, wie schon erwähnt, jeder böswilligen Einwirkung auf die Insulaner enthalten, oder der Folgen dafür gewärtig sein.
Auch eine Regierung hatte der jetzt allmächtige Admiral ernannt, einen Regierungsrath wenigstens aus drei Personen bestehend, Mr. Aubigny, Capitain der Corvette Ambuscade, Lieutenant Clou und Mr. Moerenhout, und die Wahl des Letzteren besonders kränkte Pomare tief, da sie wußte wie er von jeher ihr gesinnt gewesen, während die Missionaire in dem ihnen gerade feindlich gesinnten Mann einen vollständigen Beweis sahen, was sie für sich von der neuen Ordnung der Dinge zu erwarten hätten.
Viel Zeit durften sie aber auch nicht verlieren, denn noch an demselben Abend lief der Französische Kriegsdampfer, der Cormorant ein, und ein dumpfes Gerücht durch die Stadt daß der ganze übrige Theil der, bis jetzt noch an den Marquesas-Inseln stationirten Flotte, ebenfalls hier eintreffen würde, den Eingeborenen zu imponiren, und ihnen zu beweisen wie fruchtlos jeder Versuch des Widerstands gegen eine so gewaltige Macht unter jeder Bedingung für sie ausfallen müßte.
Die Eingeborenen fingen jetzt erst an wirklich stutzig zu werden, denn das ganze Benehmen der Fremden hatte diesmal einen weit anderen Charakter wie früher. Die ausgestellten Posten, das gelandete und ohne weiteres in einem der Pomare gehörigen Häuser untergebrachte Militair — die Besitznahme der kleinen in der Mündung der Bai liegenden Insel Motuuta, von jeher der Königssitz und in der That Lieblingsaufenthalt der Pomaren, wo die Königin sogar ihren Knaben geboren, und wohin jetzt ohne weiteres mächtige Kanonen geschafft wurden, die gar nicht aussahen als ob sie blos für die kurze Dauer des Aufenthalts der Schiffe da liegen bleiben sollten; vor allen andern Dingen aber das jetzt plötzlich so scheue und zurückhaltende Wesen ihrer Missionaire, das sie an ihnen wahrlich nicht gewohnt waren, machte sie stutzen, und flößte ihnen zum ersten Mal die ernstliche Besorgniß ein, daß doch wohl nicht Alles so geschwind wieder vorüber gehn würde und auch nicht genau so sei, wie ihnen die frommen Lehrer bis jetzt erzählt haben mochten.
Mr. Pritchard allein blieb sich, auf seine Stellung als Englischer Consul fußend, ja vielleicht trotzend, treu in dieser Zeit. So unbekümmert die Franzosen irgend etwas gegen die Religion eines fremden Staates und deren Vertreter unternahmen, und auch vielleicht unternehmen konnten, so vorsichtig mußten sie jedenfalls zu Werke gehn, wo sie es mit der Diplomatie und dadurch auch mit den Rechten desselben zu thun bekamen, und als Consul stand er, wie er recht gut wußte, unter dem direkten und unmittelbaren Schutz seines Vaterlandes. Die Eingeborenen verstanden aber diesen Charakter gar nicht; ihnen war Mr. Pritchard noch immer der Mitonare und Lehrer von früher her, nur mit mehr Autorität vielleicht als früher, da er die anderen Geistlichen oft in seinem Hause versammelte, mit ihrer Königin in stetem Verkehr stand, und dann auch durch die neue Reise noch gewaltig in ihrer Achtung gewonnen hatte. Jedenfalls kam er jetzt gerade von dem Land der Beretanis, mußte also am besten wissen was sie von dort zu hoffen hätten, und ob die Engländer Schiffe senden würden sie und ihre Religion zu unterstützen, oder ob sie auf sich selber verlassen bleiben sollten, den zahlreichen Feuerschlünden des mächtigen Feindes gegenüber.
Die anderen Missionaire hatten, durch die Drohung des Admirals eingeschüchtert, nicht gewagt, eine bestimmte Antwort zu geben, und die Gläubigen auf die Bibel und den lieben Gott vertröstet, der die Seinen schützen und schirmen würde in schwerer Noth und Angst. Mr. Pritchard dagegen sprach zu ihren Herzen, und sein Ruf an sie muthig zu sein und nicht zu verzagen war mehr ein Aufruf zu den Waffen, als ein Trost.
»Widerrechtlich hatten die Feranis die Flagge Pomares niedergezogen, widerrechtlich setzten sie eine Regierung ein, dem direkt ausgesprochenen Willen Englands gegenüber, daß das Land sich frei und unbelästigt des Friedens Segen und der christlichen Religion erfreuen könne. Mit Kanonen und Bayonnetten überwältigten sie ein stilles harmloses Volk und die »Baals-Priester« zogen im Lande umher, dem Feinde Seelen zu gewinnen. Er protestirte von Anfang an feierlich gegen jede Französische Autorität auf der Insel, die er unter keiner Bedingung anerkennen würde, und wahrte sich das Recht zu dem Volke zu reden und ihm zu rathen, wie es ihm gut dünke, und wie er es in seinem Amt als Englischer Consul sowohl wie Missionair vor seinem Gewissen und seiner Regierung, aber nicht vor dem Französischen Admiral zu verantworten habe.«
Die Insulaner hielten sein Haus förmlich belagert, denn der Mann, wie sie erst einmal die wahre Absicht der Fremden verstanden, sprach ihnen aus der Seele, aber noch mehr — er versprach ihnen auch Englische Hülfe von der zuerst einkommenden Englischen Fregatte, während mit dem Dublin schon die Klagen und Beschwerden sämmtlicher Missionaire nach England abgegangen waren.
Es läßt sich denken daß die Französischen Autoritäten, den Protestantischen Geistlichen überdies nicht gewogen, die Aufreizungen dieses Mannes mit Aerger und Verdruß ansahen und nur durch seine officielle Stellung noch zurückgehalten wurden, etwas Ernstliches und Entschiedenes gegen ihn zu unternehmen. Dazu brauchten sie aber irgend eine gegen ihn sprechende Thatsache als Vorlage, und eine solche mußte jedenfalls erst abgewartet werden.