Spione umgaben ihn dabei genug, aus seinen Reden an das Volk irgend eine, direkt zur Empörung aufreizende Aeußerung zu finden, Mr. Pritchard war aber klug genug sich keine solche Blöße zu geben, und der Zorn der Französischen Officiere gegen ihn stieg von Stunde zu Stunde.

René beschloß indessen sich von jeder Betheiligung an den politischen Ereignissen vollkommen entfernt zu halten; er mochte natürlich nicht gegen seine Landsleute kämpfen, so sehr er auch fühlte daß den Eingeborenen hier unrecht geschah, und natürlich noch viel weniger diesen feindlich entgegentreten, mit denen er durch sein Weib in so nahe und freundliche Beziehung gekommen war.

Je mehr er aber über sein künftiges Leben auf den Inseln nachdachte, desto mehr fühlte er sich davon überzeugt, wie er solcher Art, und gewissermaßen zwischen zwei Feuern, in Papetee jedenfalls eine höchst unangenehme, ja gefährliche Stellung für die Zukunft einnehmen müsse, denn von beiden Partheien wäre er, wenn er es mit keiner offen hielt, auch rettungslos verdächtigt worden. — Er wollte Papetee — Tahiti verlassen und drüben in Atiu, in der stillen Zurückgezogenheit seines häuslichen Glücks konnte er bald die Welt um sich her vergessen — verachten. Sorge um seinen Lebensunterhalt brauchte er nicht zu haben, Gott hatte den Tisch der Eingeborenen dort mit seinen reichsten Gaben überdeckt — ein fröhliches, gutmüthiges Volk bewohnte die Insel, und mit Sadie an seiner Seite —

Und Susanna? —

Fort mit dem Gedanken an sie — an Alles was sie umgab, gerade hier lag die Gefahr für ihn, für sein häusliches Glück, und er fühlte recht gut selber wie er zu schwach, viel zu schwach sei, den immer aufs Neue auf ihn eindrängenden Verführungen lange widerstehn zu können.

Er liebte Sadie aus tiefster innerster Seele, und dennoch hatte er den Zauber, die Gewalt die diese Liebe über ihn ausüben sollte, überschätzt — dennoch fühlte er, wie er jetzt flüchten müsse mit ihr, sich selber zu entgehn und seiner Leidenschaft; flüchten, einer Gefahr auszuweichen, die drohend über ihrem Glücke hing, und in dem Gefühl lag das Bewußtsein seiner Schwäche; gewaltiger noch daß er nicht wagte es sich selber zu gestehn, gefährlicher für ihn, daß er je geglaubt hatte es besiegen zu können, ja selbst jetzt noch sich selber damit täuschen wolle daß er nach freiem Willen handle.

Schon an diesem Tag begann er seine, jedoch eben nicht so bedeutenden Vorbereitungen, Tahiti zu verlassen, und Sadie sah den Eifer mit dem er es betrieb und dankte ihm in ihrem Herzen dafür. Glücklicher fast als der Gedanke ihr liebes, freundliches Atiu nun bald wieder zu sehn, es nie mehr zu verlassen, machte sie das Bewußtsein des Gatten Liebe noch zu besitzen und sich in jener furchtbaren Stunde — so entsetzlich ihr selbst jetzt noch die Erinnerung daran war — getäuscht zu haben. Er konnte jenes fremde schöne Mädchen nicht lieben, hätte er sonst so geeilt aus ihrer Nähe zu kommen? und daß es ihn gerade zurück nach Atiu zog, war ihr ja der Bürge für ihr schönstes Glück — für den Frieden ihrer Seele. Wie weh that es ihr jetzt daß Aumama nicht bei ihr geblieben war, Zeuge ihres Glücks zu sein; das wilde Mädchen hatte sich aber nicht länger halten lassen und war noch lange vor Abend schon in ihrem Canoe allein nach Taiarabu aufgebrochen, dort bei der Schwester zu bleiben; ja vielleicht — sie hatte ihr zornig klopfendes Herz fest festhalten müssen, als sie der Freundin die Worte zuflüsterte in denen ihr ganzes Elend lag — dort, dort noch einmal dem treulosen Gatten zu begegnen, und Rechenschaft von ihm zu fordern, für ein mißhandeltes, zertretenes Leben.

Arme Aumama.

René hatte sich von der Mission einen kleinen Cutter zu verschaffen gewußt, seine Sachen und was er sich an Bequemlichkeiten auf der Insel angekauft, gleich mit einem Mal nach ihrem alten Wohnplatz hinübertransportiren zu können, und derselbe wurde schon an dem nämlichen Nachmittag, ein Beweis wie es ihm Ernst war um seinen Vorsatz, von Papetee herüber und an seine Landung geschafft, wo er ruhig und vollkommen vor Wind und Wetter geschützt, vor Anker liegen konnte, bis er im Stande war seine Geschäfte hier so weit als möglich zu reguliren und sich einzuschiffen.

Niemand freute sich mehr darüber als der Mitonare Ezra, der sich augenblicklich zum Passagier anbot, und nebenbei noch versprach die Mannschaft vollständig aufzutreiben. Mehr wie drei Leute gebrauchten sie ohnedies nicht, da René ja selber Seemann genug war das wenige an Bord solch kleinen Fahrzeugs, wenn ja einmal Noth an Mann sein sollte mit verrichten und besser verrichten zu können, wie die Insulaner selber.