Mitonare erhielt da die erste Botschaft, nach der Stadt, zu dem ehrwürdigen Mr. Rowe zu kommen, und René bekam ebenfalls eine Einladung von dem jetzt Befehlenden auf Papetee, Gouverneur Bruat, ihn zu besuchen, da er sich nach Manchem bei ihm zu erkundigen wünsche.

Die Botschaft beunruhigte ihn im Anfang — sollte etwa wegen der Flagge Nachforschung gehalten sein? — aber lieber Gott, da hätten sie ihm dieselbe, wenn er wirklich verrathen wäre, einfach wieder abfordern lassen; das Tuch hatte weiter keine Bedeutung, sobald es einmal von der Stange herunter war. Oder das Duell? — es war nicht wahrscheinlich daß solche Sache in solcher Zeit zur Untersuchung kommen sollte; und überdies hatten beide Theile darin gehandelt wie es den nun einmal bestehenden Gesetzen der Ehre entsprach, denen sie sich fügen mußten.

Es half ihm Nichts daß er sich den Kopf darüber zerbrach, und gegen Abend — er war auf vier Uhr Nachmittag nach Papetee beordert worden — folgte er der Aufforderung des Gouverneurs.

Es handelte sich dabei übrigens weder um Flagge noch Duell; im Gegentheil war Mr. Bruat ungemein freundlich mit dem jungen Mann, dessen Schicksale er sich, wie er ihm versicherte, habe erzählen lassen, und um ihm zu beweisen wie er sich für ihn interessire, wünsche er ihn an sich und Papetee zu fesseln, und bot ihm, da er ja schon überdies früher in der Französischen Armee als Officier gedient, eine gleiche Stellung in Papetee, unabhängig von den Schiffen und mit gesichertem Aufenthalt auf den Inseln.

René begriff recht gut, daß er dies Anerbieten weniger seinen Verdiensten als der vermutheten Verbindung verdanke, in der er, durch seinen längeren Aufenthalt hier wie seine Heirath, mit den Eingeborenen stand. Das Abenteuer mit dem Missionair war ebenfalls, wenn auch nicht laut ausgesprochen, doch ruchbar geworden, und es fehlte den Franzosen gerade in diesem Augenblick besonders an Leuten, die ihren Interessen so ergeben, als denen der Missionaire entgegen wären, und doch dabei eine etwas freundlichere Vermittlung zwischen den beiden so schroff abstoßenden Elementen, den Eingeborenen der Insel und den Eroberern derselben, bieten könnten. Das wäre aber auch jedenfalls der Weg gewesen sich den Insulanern vollkommen zu entfremden, und er lehnte die ihm gebotene Stellung auf das artigste und mit der Versicherung größter Dankbarkeit für das ihm bewiesene Zutrauen, aber auch entschieden ab.

Monsieur Bruat schien etwas pikirt darüber; er hatte wohl keinenfalls eine so ganz definitive Weigerung erwartet, René beharrte aber fest darauf und wurde endlich mit einer zwar artigen aber sehr kalten Verbeugung entlassen.


In Mons. Belards Hause, in dem kleinen traulichen Stübchen der Madame Belard, saß diese an ihrer Arbeit, hinter den niedergelassenen Jalousien, die eine angenehme Kühle in dem freundlichen Gemach verbreiteten, während Susanna vor dem Instrument in leisen, wehmüthigen Akkorden und mit halbgeschlossenen Augen ihrer Phantasie, ihren Gedanken freien und ungestörten Lauf ließ.

»Lieber Gott, Susanna,« sagte Madame Belard endlich, ihre Nadel ruhen lassend und zu der Freundin aufschauend — »Du bist entsetzlich langweilig heute, und spielst Melodieen daß man immer glaubt es sollte Jemand zum Richtplatz geführt werden. Was um Gottes Willen steckt Dir im Kopf, was hast Du, was fehlt Dir? — heraus mit der Sprache, Mädchen, aber quäle mir die Molltöne nicht auf solch grausame, unbarmherzige Art.«

»Ich? — Nichts — was soll mir fehlen?« sagte Susanna.