»Ja das frag' ich Dich — etwas ist mit Dir, denn Du bist wie ausgewechselt gegen sonst.«

»Unsinn« lachte Susanna, die vollen Locken aus der Stirn werfend, und zu einer lebendigern Weise übergehend — es war die Marseillaise.

»Ach damit hast Du gestern Abend Monsieur Delavigne vertrieben« lachte Madame Belard — »wie rasch er aufsprang und fortstürzte. Wir hätten uns heute doch einmal sollen nach ihm erkundigen lassen, wie ihm die Aufregung gestern bekommen und ob er sein Haus glücklich erreicht hat.«

Susanna erwiederte Nichts darauf, hatte aber die Marseillaise schon wieder fallen lassen, und praeludirte eines ihrer kleinen melancholischen Creolenlieder aus Louisiana, als Schritte aus dem Vorsaal gehört wurden und Mons. Belard gleich darauf die Thür öffnete und hereinschaute.

»Ist Delavigne hier gewesen?« frug er die Damen.

»Monsieur Delavigne? nein,« rief seine Frau und Susanna hörte auf zu spielen und sah sich nach ihm um — »ist er wieder in der Stadt?«

»Hat er Euch denn noch Nichts gesagt?« frug der Gatte aber jetzt, sie etwas erstaunt ansehend und ganz ins Zimmer tretend, »wißt Ihr noch Nichts?«

»Wir? — was ist denn?« rief Madame Belard erschreckt, »um Gottes Willen — aber wenn er selber in der Stadt war — ist ihm denn zu Hause etwas passirt — seinem Weib?«

»Ah Papperlapapp,« sagte Mons. Belard lachend, und ging zu einem kleinen Eckschrank den er dort zu seinem eigenen Gebrauch stehen hatte, sich ein Glas Brandy und Wasser einzuschenken, »da soll bei Euch immer gleich was passirt sein; der Frau wird auch was zustoßen, die Indianerinnen haben eine zähe Natur und sind nicht gleich immer umgeworfen wie andere Leute. Wenn ich noch einmal zu heirathen hätte, ich wüßte auch was ich thäte.«

»Bitte, Monsieur, geniren Sie sich nicht« bat Madame Belard etwas beleidigt und mit kalter Höflichkeit — »ich möchte Ihrem weiteren Glück nicht gern im Wege stehn.«