»Aber was ist vorgefallen?« frug auch jetzt Susanna, mit größerem Interesse als sie bis jetzt gezeigt, »bringen Sie uns eine angenehme oder unangenehme Neuigkeit?«
»Nun ich weiß gerade nicht« sagte Mons. Belard die Mischung von Wasser und Brandy erst einen Augenblick gegen das Licht haltend und dann, wie mit der Farbe zufrieden, auf einem Zug leerend — »angenehm ist sie gerade nicht — wenigstens nicht für Sie Beide, und mir selber thut es auch leid, obgleich sich die Sache nun einmal nicht ändern läßt und des Menschen Wille sein Himmelreich ist. Wenn's ihm nicht länger bei uns gefällt, kann ihn natürlich keine Seele halten.«
»Mons. Delavigne will fort von hier? — aber wohin?« riefen die beiden Damen, wie fast aus einem Munde.
»Soviel ich verstanden habe, nach Atiu zurück, wo er hergekommen« lautete die Antwort.
»So wird er dorthin wohl sein Geschäft verlegen wollen.«
»Nein das ist ja eben der Unsinn« rief der Kaufmann ärgerlich, »das dacht' ich mir auch im Anfang, denn darin wäre ein Sinn, aber wie mir jetzt scheint, läuft die ganze Geschichte auf irgend einen romantischen Schwindel hinaus, und wenn das wirklich der Fall wäre, sollt' er mir leid thun, denn keine zwei Monat hält er's drüben mit seiner Paradies-Comödie aus. Er will sein ganzes Geschäft förmlich mit der Wurzel herausreißen und wegwerfen, und sich drüben hinsetzen und Brodfrucht und Tarowurzel essen mit Madame Sadie. Das klingt wohl recht schön, ist aber nur leider unausführbar — er müßte denn eben kein Franzose — kein civilisirter Mensch sein, dessen ganze Existenz, er mag sich darüber äußerlich vorlügen soviel er will, doch mit all seinen tausend Seelenfasern an dem alten gewohnten Leben hängt und nicht losgerissen werden kann.«
»Aber ist denn vielleicht hier irgend etwas vorgefallen?« sagte Madame Belard — »hat er hier Unannehmlichkeiten gehabt, die ihn vielleicht dazu treiben?«
»Doch nicht etwa mit der Regierung?« frug Susanna rasch, die unwillkürlich und mit leiser Angst der so keck eroberten Flagge gedachte.
»Nicht daß ich wüßte« brummte Mons. Belard — »im Gegentheil scheint ihm der Gouverneur wohl gewogen gewesen zu sein, denn wie mir Delavigne selber sagt hat er ein Anerbieten von dorther gehabt — ein Anerbieten einer festen gesicherten Stellung, wenn er es allenfalls nun überdrüssig gewesen wäre Handel zu treiben; aber auch das hat er von der Hand gewiesen. Er ist rein toll — oder blind.«
»Und wann will er fort?« sagte Mad. Belard.