»Weil mich Sadie, das arme liebe Mädchen, in einer Welt hier in die sie nicht gehört, in die sie nicht paßt, recht von Herzen dauert. Es ist ein liebes engelgutes Kind, und verdiente glücklich zu sein — und wird es nie werden« setzte sie recht tief aufseufzend hinzu.

»Warum nicht glücklich?« sagte Susanna gleichgültig, der Stimme wenigstens den Ausdruck gebend, »so viel ich von dem Leben dieser Insulanerinnen gesehen habe, verlangen sie es, wissen sie es gar nicht besser, als daß sich ein Europäer, Franzose oder Engländer ist ihnen ziemlich gleich, um sie bewirbt und — die Dauer seines Aufenthalts vielleicht — bei ihnen bleibt; kehrt er in seine Heimath zurück fällt es ihm natürlich nicht ein eine farbige Frau mitzunehmen.«

»In der Regel, ja —« sagte Madame Belard — »leider Gottes handeln die Männer hier leichtsinnig genug in dieser Hinsicht, und haben schon manches arme Herz gebrochen, selbst unter den ungebildetsten der Insulaner — das Herz kehrt sich ja nun doch einmal nicht an Sitte und Gebrauch.«

»Sie sehn mir nicht aus, als ob ihre Herzen so leicht brechen könnten« entgegnete Susanna etwas kalt.

»Doch, doch« sagte leise Madame Belard, »und Sadie ist gar nicht wie ein Kind dieser Inseln erzogen — nur die Farbe, das Aussehn, und das Freie, Natürliche ihrer Bewegungen verkünden sie als ein Kind des Korallenbodens; der alte Mr. Osborne, der hier auf Tahiti starb, hat sie wie eine Tochter gehalten, unterrichtet und ihr damit Gutes thun wollen, aber ich fürchte fast, statt dessen einen schlimmen Dienst erwiesen. Nicht Indianerin, nicht Europäerin muß sie für das Leben ihres Vaterlandes verloren sein, nie wenigstens würde sie sich, wozu sie doch Gott bei ihrer Geburt bestimmte, an der Seite eines gewöhnlichen ungebildeten faulen Indianers glücklich fühlen können — und ich fürchte, sie wird nicht im Stande sein, den jetzt geliebten Mann auf immer an sich zu fesseln.«

»Und verlangst Du von Delavigne daß er sein Leben auf jenem Atiu verträumen — diese monotonen Inseln mit ihren ewigen Palmen und Brodfruchtbäumen nie wieder verlassen soll?« rief Susanna in ihrem Spiel aufhörend und sich rasch und fast heftig nach der Freundin umdrehend.

»Verlangen?« sagte diese achselzuckend — »ich verlange von einem Mann vor allen Dingen daß er seine Schwüre hält, es ist das wenigste was man verlangen kann, und doch unendlich viel, und thut das Delavigne, so kann er die Inseln nur verlassen, wenn er die Indianerin als sein Weib mit hinüber in das alte Vaterland nimmt.«

»Um dort der Kinder Spott zu werden« rief Susanna rasch.

»Er hat das Alles voraus gewußt,« sagte Marie Belard, »Sadie ist übrigens ein wunderhübsches Weibchen.«

»Und wie lange wird das dauern?« frug Susanna, »in sechs Jahren, in fünf vielleicht schon, ist die Blüthenzeit dieser Kinder der Tropen vorüber und die Zeit muß ihm vorschweben, wenn er an ein späteres Leben in den civilisirten Städten der alten oder neuen Welt zurückdenkt. Ja in der neuen könnte er nicht einmal jetzt mit ihr existiren, wo sich jede anständige Familie in New-York sowohl wie New-Orleans von ihm zurückziehn würde, um nur nicht in den Verdacht zu kommen mit schwarzem Blute Umgang zu haben.«