»Ein trauriges Lied« seufzte Madame Belard und drehte sich nach der Freundin um, stieß aber unwillkürlich einen leisen Schrei aus, als sie den, mit dem sie sich eben in wirklich traurigen Bildern beschäftigt, bleich und ernst vor sich stehen sah.
Susanna schaute rasch auf den Ruf um, und während ihr das Blut in die Wangen schoß, stand sie auf und verließ das Instrument.
»Sie haben uns belauscht« sagte sie und ihr Auge haftete so fest auf dem seinen, als ob sie die Gedanken lesen wollte, ehe ihnen die Lippen Worte geliehn.
»Den Dichter wenigstens« entgegnete René, ihrem Blick begegnend — »den armen Dichter, dem als er das Lied schrieb, wohl recht weich und weh muß um's Herz gewesen sein. Sie sollten freundlichere Lieder singen, Miß Lewis, vor Ihnen liegt das Leben noch frei und offen in all seiner Pracht und Herrlichkeit — es wäre Sünde wenn Sie gerade, vor tausend Anderen, solchen traurigen Lamentationen Raum geben wollten. Doch — sein Sie mir nicht böse daß ich Sie gestört habe — ich will ihre Zeit nicht lange in Anspruch nehmen — ich komme Ihnen Adieu zu sagen.«
»Sie wollen fort?« sagte Susanna leise.
»Hoffentlich Morgen« erwiederte René mit einem Lächeln wenigstens, wenn es auch ein gezwungenes war.
»Der Entschluß muß Ihnen über Nacht gekommen sein« rief Madame Belard — »gestern Abend wußten Sie noch kein Wort davon.«
»Ich habe mich allerdings erst gestern dazu entschlossen.«
»Mein Mann hat uns schon auf die schmerzliche Nachricht vorbereitet, lieber Delavigne — auch hier ein Papier für Sie hergelegt, falls er Sie wirklich nicht noch — einmal sehn sollte — es thut uns recht, recht leid Sie von hier verlieren zu müssen.«
»Madame Belard« sagte René und seine Stimme zitterte.