Kaum aber fühlte er den gebahnten Weg wieder unter sich, zu dem er sich, am Ufer des Baches nieder, hatte hinunterfühlen müssen, als er so rasch den Heimweg antrat, als ihn seine Füße tragen wollten. Weshalb hatten ihn die Insulaner aufgehalten? und stand das am Ende gar in irgend einer Verbindung mit der eigenen Heimath? Es war ihm ein unheimliches fatales Gefühl, und das gespannte Terzerol in der Hand, einem etwaigen neuen Angriff nicht wieder so blind zum Opfer zu fallen, lief er mehr als er ging, den, zwar sehr betretenen, aber doch schmalen und dunklen Pfad entlang, der ihn zuerst durch einen stattlichen Palmenhain und dann durch den noch düsterern Grund eines mit Wi- und Mapebäumen besetzten Thales führte. Mit diesem Thal näherte er sich aber mehr und mehr dem eigenen Haus, dessen Licht er nun schon bald hoffte durch die Büsche schimmern zu sehn, als er plötzlich durch ein etwas barsches und gar nicht weit entferntes »Qui vive!« fast erschreckt und in seiner Bahn gehemmt wurde.

»Hallo Kamerad« sagte er aber lachend, sobald er die Antwort gegeben und durch den hier so dicht bei seinem Haus aufgestellten Posten auch jetzt so weit beruhigt war, daß dort nichts Außerordentliches konnte vorgefallen sein — »Ihr liegt ja hier förmlich im Hinterhalt und könntet nervösen Personen den Tod einjagen vor Schreck, wenn sie so plötzlich angeschrien würden; aber lieb ist mir's daß ich Euch hier finde.«

»Habt Ihr irgend etwas gesehn?« frug der Soldat rasch.

»Gesehn? — nein« sagte René nach kurzem Bedenken, er wollte nicht als Ankläger gegen die sich auch doch nur ihrer Haut wehrenden Eingebornen auftreten, »aber paßt gut auf, Kamerad — Ihr habt es mit listigen und der Waldwege gewohnten Burschen zu thun, wenn sie ja etwas unternehmen sollten in späterer Zeit.«

»Hat Nichts zu sagen« lachte der junge Soldat, »meine Augen sind frisch, Kamerad, und mein Gehör so scharf wie das ihre wohl, so leicht entgeht mir Nichts — aber, Kamerad, Ihr könntet uns hier auf der Wacht einen gewaltigen Freundschaftsdienst erweisen, wenn Ihr's nämlich bei Euch führt.«

»Und das wäre? von Herzen gern wenn ich's kann.«

»Wir sind hier vier Mann im Haus, ohne den einen, der hinunter an den Strand postirt ist, sein Auge auf dem Wasser zu halten, und haben nicht eine Pfeife voll Taback zwischen uns — alle fünf — wenn Ihr nur die geringste Quantität —«

»Nicht die Idee, Kamerad, in der Tasche gerade,« sagte René freundlich, »aber ein ganzes Pfund dicht daneben in dem Haus da, wo ich wohne. Wollt Ihr die paar Schritt mit mir hinübergehn, steht er Euch gern zu Diensten.«

»Ich selber darf nicht vom Posten« rief der Soldat fröhlich, »aber ich geb' Euch einen meiner Kameraden mit; Gott sei Dank, da ist doch Aussicht auf eine Pfeife« — und rasch der vielleicht zwanzig Schritt vom Weg abliegenden Bambushütte zueilend rief er von dort einen der da drin auf der Matte schon faul ausgestreckten Soldaten heraus, den Landsmann zu begleiten und die freundliche Gabe in Empfang zu nehmen.

René war der Schildwacht bis zum Haus gefolgt, denn von dort schnitt ein ihm wohlbekannter, etwas näherer schmaler Fußpfad durch ein weites unbebautes und mit hohen Cocospalmen bewachsenes Grundstück nach seinem eigenen Garten hinüber, der von hier kaum mehr wie fünf- oder sechshundert Schritt entfernt lag, und wohin ihn jetzt der junge Französische Soldat, ohne es selbst der Mühe werth zu halten sein Gewehr mitzunehmen, begleitete. Die Insulaner hatten sich bis jetzt nicht allein so friedlich, nein wirklich freundlich gegen sie gezeigt, daß keiner der Soldaten an einen Zusammenstoß mit ihnen auch nur dachte. All' diese Vorsichtsmaßregeln, besonders die am Strand hin aufgestellten einzelnen Posten galten auch keineswegs den Eingebornen, sondern sollten einzig und allein dazu dienen die Mannschaft der im Hafen liegenden fremden Schiffe zu verhindern an heimlichen Stellen zu landen und die Eingeborenen, was man besonders von den Engländern fürchtete, nicht allein gegen die neuen Herren des Landes aufzuhetzen, sondern ihnen auch Waffen und den fast für den Frieden der Küste ebenso gefährlichen Branntwein zuzuführen.