Die Reine blanche war wieder gesegelt und Monsieur Bruat hatte Alles versucht die Eingebornen in Güte dazu zu bringen, ihnen die nöthigen Provisionen zu liefern, aber umsonst. Wie die Franzosen behaupteten, von den Missionairen aufgereizt, jedenfalls auf den Befehl ihrer eigenen Häuptlinge, hielten sich die Insulaner in ihren Wohnungen und brachten nicht eine Brodfrucht mehr zu Markte, ja das Gerücht verbreitete sich sogar, sie seien gesonnen Alles was sie nicht von Früchten und überhaupt Lebensmitteln nothwendig selber brauchten, in die Berge und den Feranis aus dem Weg zu schaffen.
Dem zu begegnen schritt der Französische Kommandant zu einem Gewaltstreich, lockte vier der einflußreichsten Häuptlinge, unter ihnen Terate, Avei und Nane ini an Bord eines Schiffes, wo er sie gefangen hielt, und hätte sich fast auch noch eines andern Trupps bemächtigt, wäre diesem nicht noch zeitige Warnung geworden, daß er in die Berge fliehen konnte.
Bald darauf erschien eine Proclamation vom Gouverneur Bruat unterzeichnet, die im Namen des Königs von Frankreich und als Gouverneur der Französischen Besitzungen, dem Volke von Tahiti erklärte daß die vier Häuptlinge Taaniri, Raheahu, Potowai und Teraitane, da sie auf das Wort des Friedens nicht hatten hören wollen, für Rebellen erklärt und ihr Eigenthum mit Beschlag belegt werden sollte.
»Acht Tage« hieß die Proclamation weiter — »sind ihnen noch gegeben sich zu unterwerfen. Der Distrikt der ihnen Schutz giebt soll, nach seiner Wichtigkeit, unter eine entsprechende Contribution gelegt werden. — Die dem Frieden und dem Gesetz freundlich gestimmten Personen bleiben ruhig unter dem Protectorat Frankreichs — die Strenge der Gesetze soll die Schuldigen treffen.
Bruat.«
Jetzt zum ersten Mal schien das Volk zu fühlen daß es wirklich unterjocht werden sollte, da man sich nicht allein begnügte die Englischen Missionaire feindlich zu behandeln, sondern auch sogar Hand an ihre eigenen Häuptlinge legte, und ein wilder Schrei des Zorns und der Entrüstung ging durch das ganze Land.
Pomare war zu gleicher Zeit von den Missionairen feste Hülfe von England versprochen, und selbst alle dort lebenden Engländer bestätigten das, da Britanien nie dulden werde, daß Einer seiner Consuln auf solche Weise behandelt werde; nur verzögern mußte sie einen Ausbruch des Volks, damit der Franzose nicht neuen Grund bekam zu neuen Uebergriffen, und sich indeß ihr Recht wahren, als souveraine Königin.
Dem Sinne folgend schrieb sie einen Brief[H] an die Häuptlinge, worin sie dieselben zum treuen und geduldigen Ausharren ermahnte, aber sie auch zugleich indirekt darin aufforderte in ihrer Widersetzlichkeit gegen die Feranis standhaft zu bleiben, und dieser Brief wurde, wie es heißt, von Gouverneur Bruat so aufgefaßt, als ob er die Eingeborenen in der »Rebellion gegen ihre gesetzmäßige Regierung« bestärken und bekräftigen solle.
[H] Pomare's Brief lautete wörtlich: »Gesundheit Euch Allen; ich mache Euch bekannt daß unser Kriegsschiff uns bald verlassen wird; der Admiral verlangt es nach Oahu zurück. Ein kleines Kriegsschiff liegt hier, über uns zu wachen, ein anderes wird kommen. Horcht nicht auf die Männer die Euch entmuthigen wollen mit der Nachricht daß wir nicht unterstützt würden. Britanien wird uns nicht verlassen. Laßt uns uns gut betragen, bis die Depeschen eintreffen.
Dies ist mein Wort an Euch — laßt unter keiner Bedingung etwas Unrechtes geschehen, behandelt ja nicht die Feranis schlecht; habt große Geduld. Nehmt mich zum Muster und folgt mir, und laßt uns Alle brünstig zu Gott flehen, daß er uns von unserer Prüfung befreien möge, wie einst Hezekiah. Frieden sei mit Euch.