»Wi—wi?« sagte der kleine Mann etwas erstaunt, zog die Augenbrauen in die Höh, und spitzte den Mund — »Wi—wi?[G] — hm —«
»Wi—wi?« sagte René, der diesen Ausdruck noch nicht kannte, erstaunt — »was Wi—wi? — nicht Wi—wi — frenchman — français — ferani —« denn diesen Ausdruck hatte ihn schon Adolph gelehrt.
»Es—es« nickte der Kleine schmunzelnd — »Fe—ra—ni — Wi—wi« —«
»Was zum Henker will er denn mit dem Wi—wi?« — dachte René — »das muß ein besonderer Dialekt für den Namen sein.«
»Viel — viel Wi—wi’s in Tahiti — sagte der kleine Missionair wieder — keine Christen, Wi—wi’s!«
»Keine Christen?« rief René lachend — »nun ich weiß doch nicht — einige sind sicher darunter, die sich wenigstens so nennen —«
»Es, Christen« nickte der unverwüstliche Kleine — »aber keine guten — aita maitai —«
Jetzt begriff René erst, worauf der kleine Protestantische Missionair oder Prediger eigentlich abziele, denn dieser mußte natürlich glauben, was ihm die protestantischen Geistlichen über die Religion der andern Weißen, die sich ebenfalls Christen nannten, und doch in ihren äußeren Gebräuchen besonders so bedeutend von diesen abwichen, gesagt hatte. Er hütete sich aber wohl auf irgend einen religiösen Streit einzugehen und beschränkte sich nur darauf ihm zu erklären, er wisse nicht was es in Tahiti für Christen gäbe, er sei noch nie dort gewesen, in seinem eigenen Vaterland — was er in aller Unschuld jetzt selber Wi—wi und zwar sehr zum Ergötzen des kleinen Mannes nannte — gäbe es aber sehr gute, fromme Christen.
René hätte vielleicht noch eine Masse, ihm gerade nicht gelegene Fragen beantworten müssen, wäre in diesem Augenblick nicht draußen vor der Thür eine kleine Glocke geläutet worden und zu gleicher Zeit Sadie in der Thür des Gemaches erschienen. René sprang fast mit einem Freudenruf empor.
Das junge Mädchen sah aber auch wunderlieblich aus in ihrer neuen Tracht, die sie der Sonntagsfeier zu Ehren angelegt hatte. Diese bestand in einem langen faltigen Gewand, das ihr oben von den Schultern bis auf die Knöchel niederfiel, im Gürtel aber von einer leichten rothseidenen Schärpe zusammengehalten wurde; die Haare hatte sie wieder frisch mit wohlriechendem Oel getränkt, und die langen vollen Locken glatt nieder gekämmt, daß sie ihr bis auf die Schultern herabfielen — aber keine Blume schmückte sie jetzt, wo sie zu Gottes Altar treten wollte, nur eine dünne Schnur, aus den Erhöhungen der reifen Ananas geschnitten, zog sich ihr um das Haar und die Stirn, den wilden Lockenschatz in etwas zu bändigen. In der Hand hielt sie ein kleines Buch mit goldenem Schnitt — ein englisches neues Testament, und das erst so wilde muthige Kind sah jetzt so mädchenhaft fromm und schüchtern aus, das dunkle Auge ruhte mit einem so milden sanften Blick auf ihm, daß er sie kaum wieder erkannt hätte, und doch war sie jetzt fast noch schöner als damals wie sie, den nackten Arm um den Baum geschlungen, von dem Felsen herab auf die verrätherischen Landsleute niederzürnte.