Er liebte Sadie und wollte sie heirathen, und hier auf der Insel bei ihnen bleiben und Yams und Kartoffeln bauen, und Cocospalmen pflanzen — er wollte nie nie wieder fort von ihnen gehn und weder ihn noch Prudentia verlassen. Er erzählte ihm aber dann auch wie er das heute Morgen Sadie selber gesagt, und welches Versprechen sie ihm dafür abgenommen, und daß er sich fest darauf verlassen könne er würde es halten und Sadie, bis der alte Missionair zurückkomme, als seine Schwester ansehen, der kein Leid geschehen solle, so lange er es hindern könne.
Der kleine alte Mann war freundlicher und freundlicher geworden, je nachdem er mehr und mehr begriff was der Fremde mit seinen Worten meine, und was er beabsichtigte, als er aber erst verstand welches Versprechen er dem Mädchen gegeben hatte, und wie er versicherte es treu halten zu wollen, da überkam die Freude jedes andere Gefühl, er fiel dem jungen Mann um den Hals und rieb sogar — sehr zu dessen Erstaunen der gar nicht wußte was er aus solcher Ceremonie machen sollte — Nasen mit ihm, die größte innigste Freundschaftsversicherung die er ihm überhaupt geben konnte.
Der kleine Bursche wurde aber ganz wie ausgelassen — er erklärte René — dessen Namen er jetzt ebenfalls behalten hatte und ganz gegen seine sonstige Gewohnheit richtig aussprach, für den besten Wi—wi der je einen Götzen angebetet habe; und meinte, wenn er bei ihnen auf der Insel bliebe, dann wolle er und der andere Mitonare und Pu-de-ni-a doch einmal sehn, ob sie nicht aus diesem Wi—wi auch einen Christen machen könnten, wenn das auch vielleicht schwieriger halten würde, als einen verheiratheten Mann aus ihm zu machen. Er wußte in der That gar nicht, was er vor lauter Lust und Vergnügen angeben sollte, und es fehlte nicht viel so hätte er wirklich ein paar mal bald an zu tanzen gefangen, nur daß er sich noch immer zur rechten Zeit dabei erwischte — das hätte sich im Leben nicht für einen mi-to-na-re geschickt.
So vergingen René die nächsten drei Wochen in einem Glück, von dem er früher nicht geglaubt hätte daß es eine Menschenbrust im Stande wäre zu fassen; aber nicht allein Sadie und Mitonare gewannen ihn in dieser Zeit weit lieber, je näher sie mit ihm bekannt wurden, nein, auch die Eingeborenen der Insel, denn das leichte fröhliche Temperament des jungen Franzosen sagte auch ihren Neigungen gerade zu; sie sahen ihn gern, lernten ihn lieb gewinnen und der alte König, außer dem hochklingenden Titel eine sehr unschuldige Persönlichkeit, die jedoch trotzdem viel Einfluß auf die übrigen ausübte, wurde sein bester Freund. Allerdings hatte ihm René mehrmals Geldgeschenke gemacht, was ihm des Mannes Herz zuerst öffnete, als er aber später mehrmals mit Sadie hinüberkam, und der alte Mann erfuhr in welchem Verhältniß die Beiden standen, und daß René sogar beabsichtige Einer seiner Unterthanen zu werden, da versicherte er ihn denn auch, daß er ihn, falls sein Schiff wirklich wieder zurückkommen solle, nicht mehr ausliefern werde und daß der weiße Mann Capitain — wie Raiteo als Dollmetscher übersetzte — schon sehen solle wie sie ihm eine Nase drehen wollten. Er dachte nämlich keineswegs daran den einmal erhaltenen, und auch in der That schon theils benutzten, theils vertheilten Fanglohn wieder herauszugeben.
Am komischsten betrug sich Raiteo; — trotzdem daß er früher sich die größte Mühe gegeben hatte, des Flüchtlings habhaft zu werden, ja sich damals sogar nicht scheute Verrath zu gebrauchen, um seinen Zweck zu erreichen und den ausgesetzten Lohn zu verdienen, so that dieser doch jetzt, als wenn er gleich von dem ersten Augenblick an des jungen Mannes Hauptfreund und Beschützer gewesen wäre. Er erklärte ihn auch bald für seinen innigsten tajo und trug wohl Sorge dabei daß er René besonders darauf aufmerksam machte, wie uneigennützig er damals den Dollmetscher zwischen ihm und den Uebrigen abgegeben habe, und wie einige kleine Stücken Geld, selbst jetzt noch dafür ausgelegt, keineswegs zu spät kämen. René war klug genug sich auch diesen Burschen, den er übrigens leicht genug durchschaute, zum Freund zu halten, und ein paar Thaler thaten dies denn auch, wenn Versicherungen nur irgend einen Maßstab für Raiteo’s Gefühle geben konnten, auf das vollständigste.
René schrieb übrigens auch in dieser Zeit nach Frankreich, den Brief für die erste sich bietende Gelegenheit nach Tahiti bereit zu halten, ihm einen Theil seiner noch dort stehenden Gelder unter seiner Adresse an den Französischen Consul Tahiti’s zu übersenden, wie ihm ebensowohl Einführungsbriefe auf die Hauptinsel dieser Gruppen zu verschaffen. Wenn er ihrer auch jetzt noch nicht bedurfte, wußte er doch nicht wie sich seine Verhältnisse in spätern Zeiten gestalten würden, und er wollte jetzt wenigstens nichts versäumen, dem vorzuarbeiten.
Das Herz des kleinen Mitonares gewann er sich übrigens noch auf ganz besondere Weise durch den regelmäßigen Besuch seiner Kirche, in der er allerdings nichts von der Predigt verstand, aber doch die Melodien der Hymnen mit summte, und den Mitonare nur in dem Glauben befestigte, daß doch noch am Ende ein Christ aus ihm zu machen sei. Der gute kleine Mann war viel zu unschuldig, auf den Gedanken zu kommen, daß René einzig und allein Sadie’ens wegen das Gotteshaus besuche.
Fußnoten:
[F] Diese Inseln außer Tahiti und Imeo oder Eimeo feiern den Sonnabend statt Sonntag, da die ersten hier eingetroffenen Missionaire, die um das Cap der guten Hoffnung gekommen waren, den Tag den sie auf 180° West und Ost Länge gewonnen, nicht dazu zählten, wie sie es eigentlich thun mußten, und nun ihre eigene unterwegs gehaltene Zeitrechnung, die sie um einen Tag zu kurz sein ließ, beibehielten. Auf Tahiti und Imeo haben es die Franzosen jetzt abgeändert.
[G] Wi-wi, ein Spottname dieser Inseln für die Franzosen, nach deren oui, oui.