Capitel 5.
Das Geständniß.
Das Einzige übrigens was jetzt manchmal Sadie sowohl als auch den kleinen Mitonare beunruhigte, war das so außergewöhnlich lange Ausbleiben des Mr. Osborne, obgleich es bei den Missionairen, wenn sie auch ihre bestimmte und feste Wohnung haben, doch wohl manchmal vorfiel daß sie auch kleine Abstecher nach anderen Inseln machten wo keine festen Prediger wohnten, und dann widriger Winde wegen oft länger aufgehalten wurden, als sie im Anfang selber beabsichtigt.
So standen die Sachen als eines Morgens, in den letzten Tagen des Februar, ein Bursche über die Berge herüberkam und meldete, der Missionscutter — ein kleines Fahrzeug das sie alle gut genug auf der Insel kannten — sei in Sicht und halte gerade nach hierher zu. Gegen Mittag umsegelte es auch die südlichste Spitze der Insel, und von Sadie’s Lieblingsplätzchen aus konnten sie sein Näherkommen deutlich beobachten.
Sadie und René standen dort schweigend Hand in Hand — war ihnen Beiden aber auch wohl das Herz übervoll, denn dort in dem kleinen Fahrzeug kam der Mann, der ihr Schicksal entscheiden sollte — mochte ihnen doch Keins Worte geben. Als aber der Cutter sich immer mehr und mehr näherte, jetzt sogar in die natürliche Einfahrt der Corallenriffe, von einer günstigen Briese getrieben, einbog, und in dem ruhigen Wasser pfeilschnell auf seinen gewöhnlichen Ankerplatz zuglitt — als die Segel fielen, der Anker niederschlug und das kleine Fahrzeug herumschwingend, kaum mehr als hundert Schritt vom festen Land der Insel ab einbog, da sagte René leise, Sadie zu sich herüberziehend:
»Willst Du zuerst mit Deinem Vater allein reden, Sadie, oder wollen wir ihm Beide zusammen entgegengehn? — wie ist es Dir am liebsten?« —
»Ich weiß es nicht René,« — sagte das Mädchen leise und schüchtern — »ich weiß es nicht — o mir ist auf einmal so bang und weh um’s Herz, als ob ich irgend ein großes Unrecht gethan hätte — und ich bin mir doch nichts Böses auf der weiten Gotteswelt bewußt — ich glaube ich fürchte mich meinem Vater entgegenzutreten — und er ist doch so gut — so unendlich gut.«
»Dann laß mich zuerst mit ihm sprechen, Sadie,« bat René — »laß mich zu ihm gehn — ich habe Papiere die ihn über meine Abkunft und Verhältnisse beruhigen können — ich bin kein gewöhnlicher Matrose wie sie hier über diese Inseln hier und da zerstreut sein sollen; das allein ist auch die Ursache daß ich nicht im Stande war an Bord jenes Wallfischfängers zwischen dem rohen wüsten Volke auszuhalten; — wenn er hört wie innig wir uns lieben, kann er ja Nichts gegen eine Vereinigung mit Dir einzuwenden haben. Aber was hast Du? — was erschreckt Dich so sehr, Du süßes Lieb?«