Innere Kämpfe, vorzüglich durch die Ankunft Europäischer Schiffe hervorgerufen und genährt, und mit den neu eingeführten Feuerwaffen tödtlich gemacht, hatten die Inseln schon vor der Einführung des Christenthums oder der Ankunft christlicher Missionaire erschüttert, und einen Partheienhaß in’s Leben gerufen, der Jahrzehnde wohl unter der Asche glimmend lag, aber nur einen Anlaß suchte wieder hervorzubrechen und mit erneuter Kraft das wunderschöne Land zu verwüsten. —

Otu der aus einer wunderlichen Ursache den Namen Pomare[H] annahm, wußte sich, nachdem der rechtmäßige Königsstamm vertrieben worden, zum obersten Häuptling, ja zum Arii rahi oder König der Inseln emporzuschwingen, und es gelang ihm auch, besonders durch die gerade damals landenden Europäischen Schiffe unterstützt, sich zu halten und seinem Geschlechte Rang und Würde erblich zu machen. Nichtsdestoweniger lebten aber noch Häuptlinge des anderen Stammes, und nicht mit Unrecht glaubte besonders der Sohn Otus, Pomare II. eine kräftige Stütze seiner Macht in den fremden weißen Männern zu erhalten, deren Religion er auch annahm, ohne sich jedoch in seinen Sitten viel nach ihnen zu richten — wie er denn auch in Folge seiner Ausschweifungen hauptsächlich starb. — Ja er ließ sich sogar in höchst unchristliche Kriege um sein Götzenbild Oro ein, in Folge dessen eine Revolution ausbrach und der König vertrieben, die Mission selber zersprengt wurde. Der Verlust seiner Macht wurmte aber den König, und vielleicht fühlend daß ihn seine anderen Götter nicht genug geschützt hatten, und von dem neuen Gotte größere Protection erhoffend, vielleicht niedergebeugt durch manche häusliche Leiden zu gleicher Zeit, denn seine Königin war ihm ebenfalls gestorben, warf er das alte Heidenthum jetzt von sich, bekehrte sich öffentlich zum Christenthum und führte dies, mit Hülfe des Oberpriesters Tati, der die ihm bis dahin anvertrauten Götterbilder öffentlich verbrannte, auch auf den übrigen Inseln ein.

Er starb am 30. Nov. 1821 und hinterließ nur einen Sohn von 18 Monaten etwa, den aber die Missionaire jetzt in ihrem Sinn und Geist zu erziehen hofften, indeß sie, während sie selber das Staatsruder in Händen führten, die Regentschaft seiner Tante übertrugen. Aber der junge Prinz starb schon 1827 — die fremde strenge Lebensweise in der ihn die Priester hielten, konnte seine überdies schwächliche Natur nicht vertragen, und das Volk rief jetzt, nicht ohne den Einfluß seiner Lehrer, die die Macht in diesem Königsgeschlechte wahren mußten wenn sie nicht fürchten wollten den kaum befestigten Einfluß wieder zu verlieren, Aimata die Tochter ihres vorigen Königs und Schwester des letztverstorbenen zu seiner Herrscherin aus.

Nur gezwungen fügten sich aber die alten, von dem anderen Königstamm abzweigenden Häuptlinge, Tati an ihrer Spitze, denn mit des jungen Fürsten Tode bot sich neue Hoffnung ihren noch nie aufgegebenen Ansprüchen auf den Thron des Reichs; aber das Christenthum war schon zu mächtig geworden im Land, die Missionaire besonders hatten zu großen Einfluß gewonnen über die Bewohner und ihre Frauen, und jeder andere Anspruch verschwand vor der Krone der jungen schönen Königin[I].

Die englischen Missionaire waren jetzt, so sehr sie sich auch Mühe gaben jeden politischen Einfluß, Europa gegenüber, von sich zu weisen, und schon seit der Krönung und Salbung des früheren jungen Herrschers, die eigentlich regierenden Herren des Landes; sie gaben Gesetze und verwalteten, indem sie über die Arbeitskräfte des Volkes geboten, die Kassen des Landes. In ihren Händen lag dabei der Haupt-Handel der Insel, denn ihre Unterstützung vom Mutterland wurde ihnen natürlich nicht in Geld sondern in englischen Waaren, die sie zu tüchtigen Preisen wieder verwertheten, übersandt, und es läßt sich denken daß sie eifersüchtig darüber wachten, solcher Vortheile nicht so rasch und leicht wieder beraubt zu werden.

Eine solche Gefahr drohte ihnen aber im Jahr 1836, wo zwei von den Gambier-Inseln abgesandte Katholische Priester, Laval und Caret ziemlich heimlich auf Tahiti landeten und dort festen Fuß zu fassen suchten. Aber die Protestantischen Missionaire waren auf ihrer Hut und beschlossen, der Kraft der von ihnen gepredigten Lehre und der einfachen Leichtgläubigkeit ihrer Beichtkinder doch nicht so recht trauend, die gefährlichen Fremden unter jeder Bedingung und so rasch als möglich wieder zu entfernen.

Die Priester machten indeß der Königin ihre Aufwartung die sie in Gegenwart ihrer Missionaire empfing, und ersuchten sie ihnen den Aufenthalt zu gestatten, legten auch, als sie den Platz wieder verließen, Geschenke für Pomare nieder, die nach einigem Weigern angenommen wurden; nichtsdestoweniger wurde ihnen in einer nächsten Versammlung, wobei einige der Häuptlinge gegenwärtig waren, und die sie in Begleitung des Amerikanischen Consuls, Herrn Mörenhout besuchten, die Eröffnung gemacht, daß ihnen der Aufenthalt auf diesen Inseln nicht gestattet werden könne. Die Katholischen Geistlichen protestirten dagegen, aber am nächsten Morgen bekamen sie die ganz unzweideutige Weisung der Königin die Insel ohne weiteres wieder zu verlassen, und als auch hierauf eine direkte Bitte an die Königin, sie ungehindert hier weilen zu lassen, Nichts half, schlossen sie sich in das ihnen von Mörenhout gegebene Haus ein, und wichen nur erst der förmlichen Gewalt, denn die von den Protestantischen Missionairen abgeschickte Polizei kletterte am Haus hinauf, stieg durch das Dach, und trug die Priester, die nicht gutwillig gehen wollten, wieder auf ihr Fahrzeug zurück.

Diese That sollte nicht ohne traurige Folgen für die Inseln bleiben, denn die religiöse Unduldsamkeit der Missionaire öffnete dem schon darauf harrenden Feind die Thore, gab Frankreich einen erwünschten Vorwand seinen Handel wie seine Religion dort vor allen Dingen zu befestigen, und dann die ganze Insel, als seiner Schiffahrt günstig gelegen, zu besetzen. Caret reiste nach Frankreich, dort Genugthuung für die erlittene Behandlung zu erbitten, und dem Admiral Du Petit Thouars wurde es aufgetragen ein schwaches friedliches Reich zu unterwerfen, das bis dahin noch keinem Fremden Uebles gethan, sondern Alle, gleichviel von welchem Lande, von welcher Religion in gastlicher Herzlichkeit bei sich aufgenommen hatte, bis jene fremden Priester selber einander befehdeten und Leid und Unheil über jene schönen Küsten brachten, die Gottes Vaterhuld mit Allem ausgeschmückt was groß und herrlich war.

Im August 1838 ankerte die Fregatte Venus auf der Rhede von Papetee, und Du Petit Thouars erklärte der Königin Pomare in einem Schreiben, daß er gekommen sei für die unwürdige Behandlung mehrer Französischer Unterthanen, vorzüglich aber der beiden von hier exilirten Priester Caret und Laval Genugthuung zu fordern, und jetzt vor allen Dingen eine schriftliche Entschuldigung der Königin, die Summe von 2000 Spanischen Dollarn als Entschädigung für die erlittene Unbill der Priester, und die Begrüßung der Französischen Flagge mit 21 Kanonenschüssen verlange. Widrigenfalls drohten die Mündungen der Geschütze Vernichtung über den offen und schutzlos daliegenden Strand.

Die arme Pomare hatte keine Wahl; sie schrieb den Brief, erbat sich das Pulver selbst von der Französischen Fregatte zu den verlangten Schüssen, und die Missionaire, deren Eigenthum bei einer Kanonade auch am meisten bedroht gewesen wäre, collectirten das Geld theils unter sich, theils bei anderen Engländern und Amerikanern der Inseln, und befriedigten damit den Französischen Admiral.