Fußnoten:
[H] Der König schlug einst sein Lager zwischen den Bergen auf, und der Platz wo er lag war gerade dem Thau und einer scharfen Zugluft ausgesetzt. In der Nacht erkältete er sich und bekam einen Husten, wonach Einer seiner Höflinge diese Nacht eine Husten-Nacht (von po Nacht und mare Husten) nannte. Dem König gefiel der Klang des Worts vielleicht, vielleicht hatte er eine andere Ursache, kurz er beschloß sich von der Zeit an Po-mare zu nennen, und der Titel ist jetzt, als erblich, auf seine Nachkommen übergegangen.
[I] Aimata oder Pomare IV. ist etwa 1812 geboren und war zuerst an einen jungen Häuptling von Tahaa verheirathet, von dem sie sich wieder schied und zu ihrem zweiten Gemahl einen anderen jungen Häuptling von Huaheine, einer Nachbarinsel, nahm.
Capitel 9.
Die vier Häuptlinge.
Ein sonniger Himmel spannte sich über die wildzerrissenen aber bis in ihre höchsten Kuppen bewaldeten Berge von Tahiti; aus den tiefen Thälern stiegen in festen, zusammengedrängten Massen die weißen schwankenden Schwaden auf, und wollten sich ausbreiten gegen den mächtigen Feind, aber die sengenden Strahlen trieben sie zurück, hinein wieder in Schlucht und Bergeshang, und hie und da niedergepreßt auf eine Halde, oder hingetrieben von dem neckischen Seewind über den saftigen Anwuchs breitblättriger Feis[J], mußten sie sich wohl dicht an den Boden schmiegen, unter Laub und Busch, dem einsamen Jäger das wunderliche Schauspiel einer Schneelandschaft in den Tropen bietend, so weiß und weich lagen sie unter Busch und Strauch und füllten die Thäler aus, Inseln bildend aus Kuppe und Kraterhang.
Und die Palmen im Thal unten schüttelten den Thau aus ihren wehenden Kronen, und rauschten und flüsterten dem Morgenwind ihren Gruß entgegen; aus dem Schatten eines mächtigen Wibaums[K] flötete der Omaomao[L], die Tahitische Drossel und der gellende Schrei der Möve, die über dem spiegelglatten, crystallhellen Binnenwasser der Riffe nach Beute strich, mischte sich darein. Von fern herüber aber donnerte klar und gewaltig das Brausen der ewigen Brandung über die Corallenwälle, die in einem weiten, nur an sehr wenigen Stellen kaum unterbrochenen Kreis all diese Inseln umgeben, als ob sie das freundliche Land schützen wollten gegen den wilden ungestümen Andrang der Wogen und ihre zerstörende Macht — die Elemente waren freundlicher gegen dies Paradies als die Menschen.
Weit aus nach allen Seiten breitete dabei das blaue Meer, hie und da über die Fläche blitzte der Schein eines hellen Segels, und aus der Ferne herüber ragten die schroffen pittoresken Kuppen Imeos oder Moreas, mit dem Palmengürtel, der den Fuß ihrer Berge umschloß, eben sichtbar über dem Meeresspiegel. Massen von kleinen schlanken Canoes, den Luvbaum[M] an der Seite, der das schwanke Fahrzeug vor dem Umschlagen wahren sollte, glitten über das blitzende Binnenwasser, aus den Corallen herauf, mit Harpune oder Netz ihr Mahl zu holen, und oft unter der stürzenden Brandung hin, der kochenden Woge wie im Sprung entgehend, schoß der schwanke Bau wie ein dunkler Streif durch den schneeigen Schaum, und das braune trotzige Gesicht warf sich den Gischt aus dem lockigen Haar mit fröhlichem Lachen.